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Alle Feministen hassen Männer: Stimmt’s?

Früher nannte die BILD sie eine Märchenhexe, heute schreibt sie für das Blatt über den Kachelmann Prozess, wenn es darum geht, in der Allgemeinheit die perfekte Feministin darzustellen, spielt Alice Schwarzer das Postergirl – teils zum Unmut gestandener Feministinnen. Was macht eine Feministin aus und hasst sie wirklich alle Männer?

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Es ist ein langer Kampf gewesen, ein langer Prozess, der auch noch andauert, da muss man nicht lange gucken, der Durchschnittslohn für Frauen ist immer noch niedriger als der für Männer in der gleichen Position, auch wenn viele Frauen den Arbeitsmarkt beherrschen, die Chefsessel werden im Großteil immer noch vom XY-Chromosom geschmückt, nackt und passiv sind vor allem Frauen in Film und Fernsehen und auch die Statistiken zu Opfern von Gewaltverbrechen lehren einem das Gruseln.

Feminismus heute: Gleichberechtigung schaffen

Die moderne Feministin ist besorgt und auch frustriert, aber sie hat die 68er Brigade längst hinter sich gelassen. Dankbar dürfen wir sein, dass es Frauen wie Schwarzer gab, die mit aggressiver Stärke den Weg geebnet haben, Wände reißt man nun einmal nicht subtil ein, sondern mit Gewalt und das war damals notwendig als Vergewaltigung in der Ehe noch ein Ammenmär im Rechtsbuch war.
Damals hieß es noch, gegen eine patriarchisch geprägte Gesellschaft anzukämpfen, die ganz frei heraus davon ausging, dass das „schwache“ Geschlecht nun einmal in die Küche gehöre. Männerhass war das auch damals nicht, sondern vielmehr Frustration gegen die Männer (und Frauen), die dies für Natur- oder Gottesgegebene Tatsachen hielten.

„Ich bin für Gleichberechtigung, aber ich bin kein Feminist“

Doch die Zeiten haben sich geändert, Feministen müssen mittlerweile subtilere Drachen bekämpfen, denn rein gesetzlich sind wir alle gleich, im Alltag ist das jedoch immer noch nicht angekommen.
Zudem ist der Begriff der „Feministin“ auch immer noch eine Art rotes Tuch für viele, erst kürzlich äußerten sich Promis wie Gwyneth Paltrow, dass sie für geschlechtliche Gleichberechtigung wären, aber keine Feministen seien. Aber wo besteht denn da der Unterschied?

Antwort: Es besteht kein Unterschied, der Definition nach wollen Feministen die Gleichberechtigung Männern gegenüber, Männerhass und Frauendominanz gehört nicht dazu, ganz im Gegenteil.
Worin jedoch ein Unterschied besteht, ist die Definition und das öffentliche Verständnis. Nur viel zu oft wird die männerhassende, lesbische Feministin als aggressives Stereotyp in Filmen und Serien eingebaut, in Komödien werden sie überzogen dargestellt, leider ohne ruhige Alternative, „Feminazi“ ist zu einem Schimpfwort geworden, weil viele glauben, dass doch schon alle Ziele erreicht wurden und man nichts mehr in Sachen Gleichberechtigung erkämpfen muss.

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Gerade da liegt aber der Trugschluss, denn die mediale Repräsentation der Frau hat auch Einfluss auf das Frauenbild, dass Disney mit „Merida“ zum ersten Mal eine Prinzessin zur Heldin machte (wobei das auch schon bei „Rapunzel“ funktioniert hat), da man vorher davon ausging, dass sich Heldinnen nicht an den Kinokassen verkaufen ließen, ist keine Ausnahme, sondern ein Eingeständnis der verzerrten Geschlechterbilder.
Genau deshalb müssen viele Feministen auch an scheinbar albernen Themen ansetzen, ob das nun Werbung, Darstellung in Film und Fernsehen oder aber Produktlinien wie das Ü-Ei für Mädchen sind – so lange die Attribution von Sex, Passivität und Schwäche so durchweg in den Medien vorhanden ist, wird sich auch das Frauenbild nicht so schnell ändern, selbst wenn es viele soziale Kreise gibt, in denen diese Vorurteile kaum noch bestehen.

Kein Männerhass sondern Hass auf Frauenhass

Mit Männerhass hat das alles nichts zu tun, das ist manipulativer Schmarrn, der nur verzerren will, worum es eigentlich geht: Hass gegen misogynistische (also frauenfeindliche) Vorurteile. Viel zu oft, wenn nicht sogar exklusiv kann man davon ausgehen, dass jemand, der Feministen Männerhass vorwirft, genau diese Vorurteile hegt und pflegt und die Stimme der Feministin ruhig stellen will, indem er ihr vorwirft, ihre Argumente wären nur dazu da, Männer zu verunglimpfen. Es gibt übrigens auch genügend Frauen, die dieses Mittel anwenden.  Damit gibt man sich natürlich auch gerne in die Opferrolle, ein ebenfalls nur allzu häufig geäußerter Vorwurf ist der, dass Frauen nicht nur die Oberhand haben, sondern dass Männer mittlerweile völlig in der Gesellschaft unterdrückt werden und dass alle Feministinnen daran arbeiten, dass das so bleibt.

Stattdessen kämpfen moderne Feministen und Feministinnen (man wird hoffentlich nicht erstaunt sein, dass auch viele Männer für Gleichberechtigung sind) dafür, dass die Geschlechterrollen nicht mehr dazu da sind, Individuen in ihnen fest zu halten, sondern sich frei zwischen ihnen zu bewegen.
Neben der Gleichberechtigung für Homosexuelle, Transgender und anderweitig sexuelle und geschlechtliche Freiheit wollen Feministen auch die Vorurteile Männern gegenüber abbauen, niemand soll sich gezwungen fühlen, seine Gefühle zu unterdrücken, weil er XY Chromosomen hat, niemand soll sich genötigt fühlen, Gewalt sprechen zu lassen, weil Rückzug nicht ehrenhaft ist und niemandem sollen familiäre Fähigkeiten abgesprochen werden, nur weil derjenige angeblich nicht die berühmten „Mutterinstinkte“ hat.

Es geht um die freie Entscheidung, die gleichen Chancen für beide Geschlechter und eine Gesellschaft in der man nach seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit und nicht nach seinem Geschlecht definiert wird. Das mag kitschig klingen, ist aber dennoch das einzige Ziel, das Feministen haben – Nun ja, das und die Weltherrschaft.

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