Home Allgemeinwissen Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2008: „Kollateralschaden“ von Olga Flor

Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2008: „Kollateralschaden“ von Olga Flor

Hier nun also das erste der Büchern, die es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2008 geschafft haben und von denen ich euch in den nächsten Wochen das eine oder andere vorstellen möchte: „Kollateralschaden“ von Olga Flor.

Vielleicht habt ihr euch auch schon einmal beim täglichen Einkauf im Supermarkt gedacht, was die anderen Einkaufenden gerade so denken, was sie um- und antreibt und wie sie so durchs Leben rutschen. Gerade an so alltäglichen Orten, bei so alltäglichen Dingen, die man mal eben schnell im Vorbeigehen erledigt, treffen willkürlich Menschen zusammen, die auf den ersten Blick nicht gemein haben.

Und genau diese Situation seziert die Grazer Autorin Olga Flor in ihrem Buch „Kollateralschaden“ ganz genau. Jedes Kapitel bedeutet eine Minute Handlung im Buch. In diesem Minutentakt blickt der Leser dann nach und nach in die Köpfe der Protagonisten. Da ist zum Beispiel die Angstellte im Bauamt, der zuhause seine bettlägerige Frau pflegen muss, Doris, die immer kalorienbewusst einkauft oder die Rechtsaußen-Politikerin Luise, die doch nur einen Mann haben will.

All diese Menschen kann man bei ihren täglichen Ängsten, Sehnsüchten und Problemenbegleiten. Sie ahnen noch nicht, dass sie alle zusammen auf eine blutige Katastrophe zusteuern…

Ja… Das Buch ist ja ganz nett… 😉 Nur man hat beim Lesen leider das Gefühl alles schon tausendmal gehört zu haben. Auch der Stil von Olga Flor ist nicht schlecht, sehr genau beobachtend. Doch auch diesen hat man schon häufiger im Ohr gehabt. Es ist dieses melancholische und sezierende Hinplätschern der menschlichen Gedanken. Wir sind alle Opfer unserer Zeit und der Zivilisation. Wir alle haben unsere Ängst. Wir alle tun alltägliche Dinge und treffen dabei auf Menschen… Das war ja alles schon in der Literatur der 1970er und 80er Jahre so, was aber etwas Neues war und somit überrascht hat. Andere Schriftsteller haben bereits im 19. Jahrhundert damit experimentiert. Auch das ist im Kontext ihrer Zeit faszinierend.

Doch genau hier liegt das Problem: Man hat das Gefühl Olga Flor hat nichts eigenes geschaffen. Und die Katastrophe am Ende wirkt wie ein traurriger Versuch nochmal besondere Tragik oder Drama in das Geschehen zu bringen.

Wie gesagt, das Buch ist ganz nett. Es ist flüssig zu lesen und die Charaktere sind auch nicht schlecht gezeichnet. Aber es ist halt in diesem Kontext nichts Neues, nicht Eigensständiges.

Aber so geht es mit mit fast der gesamten deutsche Gegenwartsliteratur (und so sieht auch die Lonlist des Deutschen Buichpreises zum größten Teil aus), die nach und nach vom Konsumdenken und der Verkäuflichkeit so zerfressen ist, dass neue Ansätz fast keine Chance mehr bekommen. Wir haben da ein Literaturelite, von (entschuldigun) älteren Herrschaften, die bestimmte Dinge groß in den Himmel loben und anderes gar nicht ans Licht der Öffentlichkeit geraten lassen. Kollateralschaden halt…

Und sagt jetzt nicht: „Es ist alles schon dagewesen, man kann nichts Neues mehr machen!“ Natürlich geht das, nur haben sie es viel schwerer eine Öffentlichkeit zu erreichen, die zudem noch immer dasselbe hören und lesen will. Oder doch nicht?  

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  1. […] Blog bedauerlicherweise eingestellt hat) Perlentaucher Literaturhaus (mit Leseprobe) Dünenwanderer Büchervielfalt Entegutallesgut Kommentar […]

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