Home Geisteswissenschaften Literatur „Berührungen der Nacht“ – Die Geistergeschichten eines M. R. James und seiner Anhänger

„Berührungen der Nacht“ – Die Geistergeschichten eines M. R. James und seiner Anhänger

Alte englische Herrenhäuser, verfluchte Bücher, fiese Geister und unheimliche Kirchen, genau die Dinge, die man für eine gute Gruselgeschichte braucht. Und genau diese hat der Schriftsteller M. R. James Anfang des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt, wenn nicht zu einer fast unerreichten Vollendung gebracht.

Gerade in diesem Poe-Jahr liegt es natürlich sehr nahe, sich mit der Gruselliteratur und ihren Anfängen zu befassen. Neben Edgar Allen Poe und H. P. Lovecraft, gehört Montague Rhodes James zu den wohl bedeutendsten Vertretern dieser Kunst. Seine Geschichten und sein Stil haben etliche andere Autoren beflügelt und inspiriert.

Die nun erschienene Sammlung von Kurzgeschichten „Berührungen der Nacht“, herausgegeben von Rainer Scheck und Erik Hauser, beweist auf hervorragende Weise M. R. James‚ literaturhistorische Bedeutung und dessen Nachwirkungen.

24 Geschichten lassen die große Zeit der englischen Geistergeschichten wieder aufleben. Neben James selbst kommen elf andere Autoren zu Wort, die sich in der Tradition von James sahen. Jeder Autor erhält dabei Platz für zwei Geschichten, alle möglichst unbekannt oder auf deutsch bisher noch nicht veröffentlicht, so auch die zwei Geschichten von James selbst.

So ähneln sich die Kurzgeschichten alle in den selben Elementen: Fast alle spielen sie in alten englischen Herrenhäusern oder Kirchen, die Protagonisten sind meist Bücherwürmer, hochgebildete Geistliche, Antiquare oder Historiker (wie James selbst einer war) und alte Flüche oder mysteriöse Erbschaften beeinflussen das Geschehen.

Übernatürliche Phänomene brechen plötzlich und ohne Vorwarnung in die ach so geordnete, bürgerliche Welt ein. Und für die Beteiligten kann es fast nur schlimm enden. Die Geister von James und Co. sind alles andere als die Erfüllung von pubertären Mädchenträumen à la Vampir oder süßes Gespenst, sie sind böse, hässlich und fies. Doch sind diese meist auch eine gequälte Seele, die der Autor ernst nimmt.

Psychologisch gut durchdacht, intelligent, präzise und mit einer Liebe zum Detail ziehen uns diese Geister tief in unsere eigenen Abgründe hinunter. Angst ist hier etwas Subtiles, etwas Furchterregendes, das sich langsam an dich anschleicht, dich umkreist und dann unerwartet zuschlägt. Diese Geschichten kommen fast ohne das heute so übliche Blutvergießen aus, sondern packen dich dort, wo es dich am meisten berührt, nicht bei deinen Ekelgefühlen, sondern tief in deiner Seele.

Eine absolut tolle Sammlung, die jedem Gruselfreund das Herz höher schlagen lassen und gleichzeitig einfrieren wird. Abgerundet wird „Berührungen der Nacht“ noch mit einem ausgiebigen Anhang über das Werk und den Einfluss von M. R. James. Zudem gibt es zu jedem Autor eine ausführliche Biographie, ein Foto und zahlreiche Hintergrundinfos.

Ein wirklich mit Liebe und Detailfreude gemachtes Buch, das sich extrem positiv von den sonst so lieblosen Sammlungen abhebt. Ein Muss für jede Grusel-Bücherwand… 

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