Home Geisteswissenschaften Literatur „Böse“ von Bentley Little – Ein böser Reinfall

„Böse“ von Bentley Little – Ein böser Reinfall

Jaja, Dämonen sind böse, amerikanische Klein- und Vorstädte sind böse und die Geheimnisse der Nachbarn sind böse. Spätestens nach „Desperate Housewives“ sollte das auch dem kleinsten Nicht-Horror-Kenner klar sein. Doch immer wieder werden diese Muster seit Jahrzehnten von ach so einfallsreichen Autoren aufgerollt.

So auch 1991 (da erschien das Buch zum ersten Mal, nicht wie im Impressum angegeben 2003!) der US-amerikanische Autor Bentley Little in seinem nun auch auf Deutsch erschienen Werk „Böse„. Die Kleinstadtidylle ruft und wird gestört. Es wird brutal und dann ist mal wieder ein Dämon schuld…

Willis ist eine beschauliche Kleinstadt in Arizona. Jeder kennt jeden und nie ist etwas Böses geschehen. Der Lehrer Doug Albin möchte mit seiner Frau und seinem Sohn ein paar ruhige Tage in der Heimat verbringen, doch dann erschießt sich plötzlich der alte Postbote. Keiner der Bewohner kann sich das erklären, doch Zeit zum Trauern bleibt nicht lange, denn schon am nächsten Tag ist sein Nachfolger unterwegs. John Smith heißt der „Gute“ und ist allen gleich sympathisch, nur Albin fröstelt es, wenn er ihn sieht.

Auf einmal geschehen seltsame Dinge: Rechnungen und Mahnungen werden nicht mehr zugestellt, Telefon- und Stromanschlüsse werden gekündigt, Menschen bekommen Post von Leuten, mit denen sie schon lange keinen Kontakt mehr haben, und das eine oder andere schmutzige Geheimnis wird per Briefkasten verraten. Sofort hat Albin John Smith in Verdacht, doch keiner der Nachbarn glaubt ihm und dieser hat alles so gedreht, dass man ihm nichts nachweisen kann.

Immer mehr werden die Bewohner von Willis dem postalischen Terror ausgesetzt, dass es auch schnell zu den ersten Ausrastern, Morden, Selbstmorden oder Brutalitäten kommt. Und Smith hat es besonders auf Albin abgesehen…

Buhuhu, der böse Postbote treibt sein Unwesen… 😉 Mal abgesehen davon, dass man das Szenario der bürgerlichen Kleinstadt schon gefühlte 3 Mio. mal gelesen hat, nicht zuletzt in Stephen Kings „Needful Things“, das Buch ist auch noch verdammt fade geschrieben, die Charaktere sind seltsam unausgereift und jegliche Spannung wird durch bloße ausgenudelte Brutalität erzeugt. Figuren werden umständlich eingeführt und verschwinden dann auf einmal oder gehen ohne jegliche Erklärung in einem Blutbad unter.

Im Laufe von „Böse“ wird man als Leser zudem noch immer wütender, denn die Einwohner von Willis verhalten sich alle zusammen so selten dämlich, dass kein Dämon der Welt das verursachen könnte. Jeder rennt kopf- und sinnlos vom einen Streit in den nächsten und dann will uns der Autor einfach in ein paar Nebensätzen die so gar nicht subtile Manipulation erklären. Auch die Gründe Smiths erfährt man nie…

Das Thema wäre schön und gut gewesen, wenn man die Psychologie in den Vordergrund gestellt hätte, wenn es nicht erst ersichtlich wäre, dass es Smith ist, wenn sich das Grauen langsam in den Köpfen breit macht und man nicht weiß, ob sie rational oder irrational handeln, ob alles nur eine Einbildung oder Realität war. Ja, dann wäre „Böse“ ein tolles Buch, nur leider schafft Bentley Little nicht einen dieser Punkt auch nur im Ansatz. Langweiliger Horror mit der Holzhammermethode…

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