Home Allgemeinwissen „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink – Verfilmt mit Kate Winslet

„Der Vorleser“ von Bernhard Schlink – Verfilmt mit Kate Winslet

„Der Vorleser“ von Bernhard Schlink hat das Bild der Deutschen im Ausland entscheidend mitgeprägt, denn das Buch wurde schlagartig zum Welterfolg. In 27 Sprachen übersetzt, war es nur eine Frage der Zeit, wann es eine Verfilmung geben würde. Nun hatte „Der Vorleser“ mit Kate Winslet in der Hauptrolle bei der Berlinale Premiere.

Den Erfolg des Buches macht wohl nicht zuletzt der tiefschürfende und für viele wohl relativ ungewöhnliche Umgang mit dem Thema der Judenmorde im Deutschen Reich aus. Es geht um die Frage nach der Schuld im Nachhinein und um die (De-)Maskierung der Täter und Opfer.

Doch zunächst scheint eine ungewöhnliche Liebesgeschichte im Vordergrund zu stehen. Der 15-jährige Gymnasiast Michael lernt die 20 Jahre ältere Hanna kennen. Schnell entwickelt sich zwischen den beiden mehr und Michael erlebt die erste Liebe und das erste Mal zusammen mit dieser älteren Frau, die jede Frage nach ihrer Vergangenheit abblockt. Sie liebt es, wenn er ihr vorliest. 

Doch plötzlich verschwindet Hanna spurlos und Michael kann sich nur schwer damit abfinden, wie das mit dem Ende der ersten Liebe eben so ist. Jahre später werden sie sich wiedersehen und zwar vor Gericht. Es sind die Prozesse um die Morde an den Juden im KZ Auschwitz. Michael studiert inzwischen Jura und verfolgt die Prozesse zusammen mit einer Gruppe von Kommilitonen. Er traut seinen Augen und Ohren nicht, denn eine der Hauptangeklagten ist Hanna.

Sie war unter den Nazis Aufseherin im KZ und für den Tod von Hunderten von Menschen verantwortlich. Ihre Mitangeklagten schieben ihr die fast alleinige Schuld für das Verfassen des Todesberichts in die Schuhe, sie gesteht und erhält eine lebenslange Haftstrafe.

Doch Michael findet heraus, dass Hanna Analphabetin ist, sich deshalb immer von ihm hat vorlesen lassen und daher den Bericht gar nicht geschrieben haben kann. Er schickt ihr Kassetten mit vorgelesener Weltliteratur in die Strafanstalt und versucht ihr zu helfen…

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Dem Autor Bernhard Schlink ist mit dem Vorleser ein faszinierender und gleichzeitig beklemmender Roman gelungen, der wohl bei jedem die Schuldfrage aufwirft. Kann man mit einer mehrfachen Mörderin wie Hanna Mitleid empfinden? Ja, man kann. Schlink schafft diese Balance meisterlich.

„Der Vorleser“ zeigt uns aber auch welche Masken wir und unsere Mitmenschen stets an den Tag legen, um zu überleben, um zu vergessen oder einfach um nicht zu sehr aufzufallen. Doch was passiert, wenn diese Masken bröckeln? Haben nicht genau diese Masken geholfen die deutsche Nachkriegszeit entscheidend zu gestalten?

Dieses Buch sollte unbedingt jeder einmal gelesen haben, und dann erst in den Film gehen… 😉

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4 Kommentare

  1. Edeela Mahmood

    21. Februar 2009 at 03:50

    Welche Absicht hatte die Autorin Sherry Jones einen kaum auf der Wahrheit beruhenden Text zusammenzudichten und den Religionsgründer zu diffamieren? Der ganze Roman ist eine einzige Behauptung, dass eine angeblich naive und zurückgebliebene muslimische Gesellschaft nur nach Begierde, Sexualität und weltliche Macht bestrebt war.
    Es ist zur damaligen Zeit grundsätzlich nicht ungewöhnlich gewesen, dass Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) so jung heiratete, berücksichtigt man die kulturellen Unterschiede vor 14 Jahrhunderten in allen Teilen der Welt, in denen sehr früh geheiratet wurde und dass das durchschnittliche Sterbealter viel niedriger war. Noch im 18. Jahrhundert waren Ehen von 14.-jährigen Bauertöchtern in Sachsen keine Seltenheit. Wir dürfen also unsere heutigen Maßstäbe nicht für vergangene Epochen anwenden. Aus zahlreichen Überlieferungen geht hervor, dass der Heilige Prophet Muhammad (Friede sei auf ihm) erst nach Eintreten ihrer Pubertät die Ehe mir Aisha vollzog. Das Aisha von ihren Eltern zu dieser Ehe gezwungen worden sei oder gar dem Propheten Untreu war, sind absurde Vorstellungen, die in keinster Weise mit der genau überlieferten Realität übereinstimmen.

    Weiterhin ist es eine wohl bekannte Tatsache, dass der Prophet 25 Jahre lang in Monogamie mit seiner ersten Frau Khadija (möge Allah mit ihr zufrieden sein) verheiratet war. Er hatte sie, die 15 Jahre älter war als er, im Alter von 25 Jahren geheiratet. Weder vor, noch während oder nach dieser Ehe hat er sich erwiesenermaßen irgendwelchen sexuellen Ausschweifungen hingegeben, im Gegensatz zu den damaligen Arabern, die das zu ihrem Alltag zählten.
    Sexuelle Reinheit war sein Gebot, schon bevor ihm der Heilige Koran offenbart wurde. Eine unsinnige Behauptung, dass einem Mann, dessen Leben überwiegend dem Gebet und Gottesdienst sowie einer Belehrung der Gesellschaft geweiht war, der seine körperlichen Bedürfnisse in jeder Hinsicht auf ein Mindestmaß beschränkte zuzuschreiben, dass er seine Gedanken und Kräfte für sexuelle (Eskapaden) Erfüllungen verschwendet haben sollte. Vielmehr hat Aisha durch ihre Heirat in jungen Jahren den Propheten kennen und lieben gelernt. Und wurde von Allah dazu bestimmt, die berühmteste Theologin nicht nur ihrer Zeit zu werden.

  2. Nina

    22. Februar 2009 at 01:36

    Hallo Edeela,

    danke für deinen Kommentar. Doch du hast ihn, glaub ich, zum falschen Artikel geschrieben. Der Aisha-Artikel ist hier zu finden:
    http://www.buechervielfalt.de/aisha-sherry-jones-skandal/

    LG, Nina

  3. Edeela

    15. März 2009 at 00:46

    Danke Nina für den Hinweis. Werde das dann gleich dort posten.
    LG Edeela

  4. Frank

    14. Mai 2009 at 23:11

    Liebe Nina,

    ein sicherlich „ganz eigenartiger“ Roman zum Thema Umgang mit der „Schuld“ bei den Völkermorden im Dritten Reich. In der Tat gelingt es dem Autor -unter Anwendung der Vorgeschichte und den ganz besonderen Gefühlen einer ersten Liebe- so etwas wie Mitgefühl oder besser gesagt eine differzierte Sicht auf die „Täter“ und „Mitläufer“ zu offenbaren. Intelligent und sehr sensibel schafft er es, die Seele eines fühlenden und mitfühlenden Menschen zu beschreiben.
    Eine Sache noch zum Inhalt: Durch das Vorlesen auf Kassetten und das Absenden derselbigen in die Haftanstalt, versucht Michael nicht Hanna zu helfen, sondern seine ganz besondere Bindung zu ihr nicht zu verlieren und somit sich selbst zu helfen. Erst im Nachhinein stellt sich heraus, dass er ihr damit unbewußt geholfen hat, Lesen und Schreiben zu lernen.
    Ich bin jetzt sehr gespannt auf den Film und als Fan von Kate Winslet kann ich mich nun doppelt darauf freuen.

    LG
    Frank

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