Home Geisteswissenschaften Literatur Die Känguru Chroniken: Ein kommunistisches Känguru macht Stress

Die Känguru Chroniken: Ein kommunistisches Känguru macht Stress

Marc-Uwe Kling hat einen neuen  Nachbarn und bald einen neuen Mitbewohner, ein Känguru. Doch nicht irgendein Känguru: Es ist politisch aktiv, Kommunist und Nirvana-Fan.


„Es klingelt an der Türe. Ich öffne. Vor der Türe steht ein Känguru.“

So beginnt das Buch vom Poetry-Slammer Marc-Uwe Kling. Sollte es eines Morgens bei Ihnen klingeln und Ihr neuer Nachbar, sei er ein Känguru oder nicht, fragt nach Eiern für Pfannkuchen, merken Sie sich jetzt schon, sie sollten „Nein“ sagen. Es sei denn, Sie sind so aufgeschlossen wie Marc-Uwe Kling und lassen sich auf das Abenteuer Känguru ein. Das Känguru ist Kommunist, war beim Vietcong, ist ein professioneller Schnorrer und Teil der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung.

Die Känguru Chroniken: Ansichten eines vorlauten Beuteltiers

Wenn der neue Nachbar an der Tür klingelt und nach Eiern für Pfannkuchen fragt, ist das noch akzeptabel. Wenn der neue Nachbar nach kurzer Zeit erneut klingelt, um sich erst Salz, dann Milch, Mehl, Öl und eine Pfanne zu leihen, ist das schon dreist. Wenn der Nachbar dann noch fragt, ob er den Herd bei Ihnen benutzen kann, Sie Ja sagen und er Sie dann noch losschickt um Hackfleisch, „Nicht von Lidl!“, zu besorgen, sind sie mitten im ersten Kapitel der Känguru Chroniken.

Revolution mal anders

Das Buch besteht aus mehreren kleinen Kurzgeschichten die, da sie nicht länger als drei Seiten sind, eine ideale Begleitlektüre sind. Das Känguru, das überzeugter Kommunist ist, isst am liebsten Schnapspralinen, wettert gerne über den Kapitalismus und ist immer wieder auf der Suche nach kleinen Möglichkeiten zu rebellieren. So meldet es beispielsweise eine Großdemonstration an, wenn schlechtes Wetter angesagt wurde, nur um dem großen Polizeiaufgebot, aus einem wohlig-warmen Café, beim Nasswerden zuzusehen.

Oder es findet eine Möglichkeit den Kapitalismus für sich zu nutzen, durch Nichtstun. Es hat sich nämlich eine 0900-er Nummer geben lassen, sodass immer wenn jemand anruft, das Känguru 0,69 € pro Minute verdient. Das Känguru aber, so sehr es Marc-Uwe auch nervt, scheint ein bisschen Pepp in sein Leben zu bringen. Es führt ihm dabei seine eigenen Unzulänglichkeiten vor Augen und sorgt dafür, dass der Spaß anhält.

Marc-Uwe Kling – „Ich verabscheue euch wegen euer Kleinkunst zurtiefst“

Marc-Uwe Kling ist, was er in den Känguru Chroniken auch ordentlich auf die Schüppe nimmt, Kleinkünstler. Er ist ein Liedermacher, Kabarettist und Autor, der 2006 und 2007 die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften gewonnen hat. „Neues vom Känguru“ lief wöchentlich im Radio Fritz Podcast bis 2009 die „Känguru Chroniken“ im Ullstein Verlag erschienen.
Die Känguru Chroniken sind zwar leichte Kost, doch das macht sie nicht weniger humor– oder wertvoll. Es geht vordergründig um Unterhaltung und es zieht sich trotz der ziemlich kurzen Sequenzen ein roter Faden durch das Buch. Es ist Sozialkritik pur, sarkastisch, zutiefst ironisch und doch irgendwie wünscht man sich danach irgendwie, dass man auch so einen Mitbewohner hätte, der einen mal gründlich wachrüttelt.

Ich habe das Buch in der Bahn gelesen, doch wer sich davor geniert, in der Bahn lauthals loszulachen, sollte die Känguru Chroniken vielleicht lieber zu Hause lesen.  Sie wurden gewarnt.

Marc-Uwe Kling (2009): Die Känguru Chroniken. Ansichten eines vorlauten Beuteltiers. Ullstein, Berlin.

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