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Die „weiße Kunst“: Eine kurze Geschichte des Papiers

Die „weiße Kunst“: Eine kurze Geschichte des Papiers

Ob im Drucker, auf dem Schreibtisch oder in der Mappe: Obwohl seit Jahren der Trend zum papierlosen Büro beschworen wird, sind die weißen Blätter nach wie vor nicht aus unserem Alltag wegzudenken. Kein Wunder: Wenn ein Werkstoff den Menschen so lange begleitet hat wie das Papier, ist er nicht so ohne Weiteres zu ersetzen.

Ursprung in China

Die ersten Spuren von Papier, das aus Holz gewonnen wurde, fanden sich in China: Forscher fanden Indizien dafür, dass es dort bereits um etwa 180 v. Chr. verwendet wurde. 500 Jahre später gehörte Papier in Asien dann zum Alltag. Erstaunlich ist, dass es dort schon früh Erfindungen gab, die heute noch zu unserem Leben gehören: Papiertaschentücher etwa, oder Geldnoten. Im Jahr 751 schließlich fand die Technik der frühen Papierherstellung ihren Weg nach Europa – in Form von chinesischen Kriegsgefangenen in Arabien. Bereits im Jahr 794 waren die ersten Papiermühlen in Bagdad in Betrieb.

Verbreitung in Europa und Deutschland

Die älteste Papiermühle Europas stand im Ort Xativa in Spanien – die Mauren stellten hier um 1150 das erste europäische Papier her. Seit dem Jahr 1270 wurden Hanf und Leinen zur Papierherstellung verwendet, und bis zum 19. Jahrhundert dienten auch Lumpen als Rohstoff. Die erste deutsche Papiermühle wurde 1390 vom Ratsherrn Ulman Stromer in Nürnberg gegründet, weitere Mühlen für die „weiße Kunst“ folgten – unter anderem in Augsburg, Chemnitz, Ravensburg und Lübeck. Um 1450 existierten am Rhein bereits zehn Papiermühlen.

Der Buchdruck treibt die Papierproduktion voran

Papier war einfacher, günstiger und schneller herzustellen als sein Vorgänger Pergament. Das machte es ideal für den Buchdruck. Gleichzeitig gab es zahlreiche Neuerungen, die die Produktion optimierten. 1670 wurde der Holländer erfunden: Es handelte sich um Tröge, in denen der Faserbrei nicht nur gestampft, sondern gleichzeitig aufgeschnitten wurde, was die Herstellung rationalisierte. Das manuelle Schöpfen der Blätter aus dem Papierbrei wurde mittels einer Erfindung aus Frankreich, der Langsieb-Papiermaschine, automatisiert. Im Jahr 1862 wurde in Birmingham die Wasserzeichenwalze erfunden. Sie ermöglichte die maschinelle Produktion von Papieren mit Qualitäts- oder Fabrikationszeichen, etwa für Briefpapier. Nachdem im 18. Jh. entdeckt wurde, dass sich bestimmte Hölzer und Pflanzenfasern zur Herstellung von Papier eigneten, gehörte auch die Verwendung von Lumpen als Rohstoff der Vergangenheit an.

Sprunghafter Produktionsanstieg im 20. Jahrhundert

Im Jahr 1900 gab es in aller Welt 5.200 Papierfabriken – allein 1.300 von ihnen standen in Deutschland. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Motorisierung der Papiermaschinen vorangetrieben, und zahlreiche Innovationen optimierten den Produktionsprozess weiter.

Heute werden jährlich ungefähr 406 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert, wobei ein Drittel der Produktionskapazitäten von der europäischen Papierindustrie gestellt wird.


Bildquelle: Thinkstock, 178015426, iStock, Ruggiero_S

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