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Guillermo del Toro: „Die Saat“

Der mexikanische Filmemacher Guillermo del Toro ist ein Meister des phantastischen Kinos. Doch mittlerweile hat er sich auch einem anderen Medium zugewandt und präsentiert mit „Die Saat“ seinen ersten Roman.

Regisseur und Filmproduzent Guillermo del Toro ist den Meisten spätestens seit seinem Oscar-prämierten Drama „Pan’s Labyrinth“ ein Begriff. Nun ist er auch unter die Schriftsteller gegangen – eigentlich keine Überraschung, verfasste er doch zu einigen seiner Filme bereits selbst das Drehbuch. Gemeinsam mit Bestseller-Autor Chuck Hogan wagte er sich jetzt aber nicht nur an das Schreiben seines ersten Romans, sondern an den Beginn einer ganzen Trilogie. Als Nachfolger von „Die Saat“, erstmals 2009 unter dem Originaltitel „The Strain“ erschienen, waren nämlich von Beginn an zwei weitere Bände geplant.

Guillermo del Toro und „Die Saat“

Im Augenblick soll uns hier aber nur der erste Roman interessieren. „Die Saat“ führt den Leser nach New York City, genauer gesagt an den John F. Kennedy Airport. Die Fluglotsen im Tower machen die seltsame Entdeckung, dass ein Passagierflugzeug unmittelbar nach der Landung auf einem scheinbar willkürlich gewählten Fleck des Rollfeldes stehen geblieben ist. Sämtliche Systeme des Fliegers sind abgeschaltet worden, kein einziges Licht ist an oder in der Maschine zu sehen, nicht ein Laut dringt aus ihrem Inneren.

Als ein Untersuchungsteam der örtlichen Seuchenbekämpfung das Flugzeug betritt, finden sie lediglich vier Überlebende vor. Alle übrigen Passagiere sind auf unerklärliche Weise zu Tode gekommen. Doch damit beginnt das Rätsel erst. Eine Todesursache will sich partout nicht ermitteln lassen, und schließlich verschwinden auch noch die toten Körper aus den Leichenhallen. Als sich endlich eine Erklärung für die unheilvollen Ereignisse findet, müssen sich die Ermittler völlig neuen Denkansätzen öffnen, um die Gefahr, die mittlerweile die ganze Stadt bedroht, noch abwenden zu können. Doch dafür ist es eigentlich schon fast zu spät

„Die Saat“: nicht so erfindungsreich wie „Pan’s Labyrinth“

Im ersten Teil des Buches ist der Leser ebenso fleißig auf der Suche nach einer Erklärung für die mysteriösen Vorkommnisse wie die Helden der Geschichte. Ab und an stößt er dabei auf ein erhellendes Indiz und kann sich schon fast denken, worum es geht. Del Toro und Hogan halten dann aber auch nicht übermäßig lang mit der Erklärung hinterm Berg, und im Endeffekt ist des Rätsels Lösung dann doch diejenige, welche die meisten Leser als für zu einfach und damit unwahrscheinlich abgetan haben dürften. Der Übeltäter entpuppt sich als alter Bekannter.

Was soll dann aber noch interessant an del Toros Roman-Debüt sein? Er erfindet seinen Bösewicht schließlich nicht neu, aber er gibt ihm immerhin einige spannende neue Ansätze und geizt dabei vor allem nicht mit äußerst bildhaften Beschreibungen. In so manchem Kapitel ist der Ekelfaktor recht hoch, die ein oder andere Szene quält den Leser geradezu mit verstörend detaillierten Ausführungen. Sollte aus dem Roman jemals ein Film entstehen – und wen würde es wundern, wenn ein solches Projekt von Herrn del Toro persönlich in Angriff genommen wird – dann dürften Gore-Fans ihre helle Freude daran haben.

Mein Tipp lautet daher: nicht zu viel erwarten, dann kann man auch nicht enttäuscht werden. Altbewährte, spannende Unterhaltung bietet „Die Saat“ allemal. Für ein kleines Abenteuer zwischendurch muss es eben nicht immer etwas völlig Neues sein.

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