Home Gesellschaft Journalisten wollen nichts über die Richitgkeit von Populärwissenschaften wissen

Journalisten wollen nichts über die Richitgkeit von Populärwissenschaften wissen

Immer wieder wird man im Fernsehen und den Zeitungen mit kuriosen wissenschaftlichen Erkenntnissen konfrontiert. Oft handelt es sich dabei jedoch um sehr unseriöse Studien, die nicht anders behandelt werden sollten als Horoskope.

Wer kennt nicht Zitate der Art: „Amerikanische Wissenschaftler haben heraussgefunden, dass….“. Und dann kommen seltsame Behauptungen über den Zusammenhang von Kaugummi kauen und der Entwicklung von Intelligenz. Um solche Behauptungen zu finden, muss man den Ozean gar nicht überqueren. Man muss nicht einmal Deutschland verlassen. Der wohl größte deutsche Produzent von wissenschaftlichem Unsinn ist die Gesellschaft für Rationelle Psychologie mit deren Leiter Henner Ertel. Im Grunde genommen erinnert das Institut an Einrichtungen wie das „Institute for Low-tech Space-travel“ oder ähnliche Scherzeinrichtungen. Nur Henner Ertel, der irgendwo seinen Professorentitel gewonnen hat (scheinbar aufgrund politischer Seilschaften wie er selber zugibt aber wozu er nichts näheres sagen möchte) erzeugt mit seinem Institut einen Umsatz von 70 Millionen Euro im Jahr.

Weder lassen sich von ihm wissenschaftliche Publikationen finden noch seine vermeintlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Seine populärwissenschaftlichen Studien darüber welche Parteianhänger welche Brustgrößen bevorzugen oder welche Städte die mutigsten Männer hätten sind nicht nachvollziehbar. Die Datenerhebung und die Datenauswertung ist nicht nachvollziehbar und das soll sie auch nicht sein. Da wo sie unglücklicherweise mit einer anderen seriösen Studie zu demselben Thema zusammentrifft zeigt sich, dass ihre Ergebnisse haltlos sind. Das scheint die Medien nicht zu interessieren. Völlig kritiklos werden regelmäßig die Ergebnisse gekauft und veröffentlicht. Das macht nicht nur die Bild, bei der die Nachrichten genausowenig stimmen wie die „wissenschaftlichen“ Ergebnisse sondern auch Zeitungen wie die SZ oder die pm. Henner Ertel hat es damit sogar bis ins Brockhaus Lexikon geschafft, in dem eine Studie von ihm zum Pornografiekonsum zitiert wird. Interessanterweise hat sich mittlerweile herausgestellt, dass diese Studie, die den Konsum von Pornografie für völlig unproblematisch hält, von Beate Uhse gesponsert worden ist. Doch Zeitschriften wie Mens Health drucken weiterhin völlig unkritisch Ergebnisse von Henner Ertel ab. Schuld sind wahrscheinlich auch die Leser, die Spaß an solchen „Studien“ haben und den Medien vertrauen. Vielleicht führt ein kritisches Verhältnis zu den Medien dazu, dass diese auch ein kritisches Verhältnis zu den Inhaltslieferanten haben müssen.

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