Home Allgemeinwissen „Krebs“ von Werner Schneyder: Ein geliebter Mensch stirbt und man steht dem hilflos gegenüber

„Krebs“ von Werner Schneyder: Ein geliebter Mensch stirbt und man steht dem hilflos gegenüber

Den meisten wird Werner Schneyder eher durch seine bissigen und herrlich kritischen Texte im Gedächtnis sein. Er machte politisches Kabarett zusammen mit Dieter Hildebrandt und auch allein. Doch in „Krebs“ lernt man ihn auf eine völlig neue Weise kennen.

Stellt euch vor, eines Tages bekommt ihr die Nachricht, dass euer Partner, mit dem ihr schon eine halbe Ewigkeit verbracht habt, Krebs hat. Eine grausame Vorstellung, die wohl jeder am liebsten verdrängt, aber irgendwie immer in unserer Gesellschaft unterschwellig präsent ist. Doch was macht man, wenn man in dieser Situation ist? Wie verhält man sich?

Werner Schneyder hat ein eindringliches Porträt über die Krankheit und das Sterben seiner Frau geschaffen. Es ist mit Absicht rein subjektiv, denn wer kann sich hier schon distanzieren? Besonders beeindruckend ist die Schonungslosigkeit und die Genauigkeit seiner, wie immer sprachlich wahnsinnig guten, Beschreibungen. Er zeigt das Leiden und den Kampf seiner Frau, aber vor allem stellt er sich und sein (Fehl-)Verhalten erbarmungslos in den Vordergrund. Und genau das macht „Krebs“ so besonders. Es gibt viele Berichte und Ratgeber über den Tod und Krankheiten, doch fast alle sind zwanghaft pietätvoll und sind für Mensche, die direkt betroffen sind eher eine Farce und wenig hilfreich.

Denn, sein wir mal alle ehrlich, Trauer und Hilflosigkeit angesicht so eines Prozesses, sind in erster Linie etwas zufiefst Egoistisches. Und so fand ich es einfach nur ehrlich, dass Schneyder seine Zweifel und seine Person in den Vordergrund rückt. Das Leiden seiner Frau muss nicht noch mehr ausgeschlachtet werden.

Gleichzeitig hat man bei aller Trauer ja immer noch die Hoffnung auf Heilung und so stagniert das Leben, muss aber gleichzeitig für das Umfeld des Patienten auch weitergehen, denn das Gegenteil würde beiden Seiten wenig helfen.

Doch das Buch ist nicht nur eine Schilderung des Mit-Leidens Werner Schneyders, sondern setzt sich auch mit den Fragestellungen der modernen Medizin auseinader. Wie sinnvoll sind gewisse Behandlungsmethoden? Soll man das Leben künstlich verlängern? Wie geht man überhaupt in unserer Gesellschaft mit dem Tod und dem Sterben um?

Ein wirklich beeindruckendes Buch, das vielen wahrscheinlich mehr helfen wird, als irgendein Ratgeber. Um Schneyder ganz zu verstehen muss man wahrscheinlich selbst in der Situation sein, oder mal gewesen sein.

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