Home Geisteswissenschaften Literatur Nein! Ich will keinen Seniorenteller! – Älter werden mit Humor

Nein! Ich will keinen Seniorenteller! – Älter werden mit Humor

Ein vergnügliches Buch gegen den Jugendwahn – So könnte man Virginia Ironsides Bestseller „Nein! ich will keinen Seniorenteller!“ beschreiben. Ihr Alter Ego Marie Sharp fängt mit 59 Jahren das Tagebuch schreiben an, und erzählt von ihrem Alltag. Mal humoristisch bis zynisch, und zuweilen auch nachdenklich.

Marie Sharp steht im Herbst des Lebens, und fühlt sich dabei pudelwohl. Sie wettert gegen 60 jährige Berufsjugendliche, und propagiert die Vorzüge des Alters. Das Buch fasst ein bewegtes Jahr zusammen, in dem Marie Grossmutter wird, ihren besten Freund verliert, aber schliesslich wieder mit ihrer Jugendliebe zusammen kommt. Mit viel britischem Humor beschreibt Virginia Ironside die Zeit, in der man es geniessen kann, nicht mehr jung sein zu müssen.

Nein! Ich will keinen Seniorenteller! – Reif und Spass dabei

Bereits am deutschen Titel lässt sich erkennen, wie die Horrorvorstellungen vor dem Alter von Land zu Land variieren. Der Titel der britischen Originalausgabe (No! I don’t Want to Join a Book Club!) zeigt, dass hier die Angst vorm verkümmerten Hausmütterchen im Leseclub überwiegt. Davon ist Marie allerdings meilenweit entfernt, obwohl sie bequemen Schuhen gerne mal den Vorrang gewährt, die nicht unbedingt auf dem neuesten Stand der Mode sind.

Die pensionierte Kunsterzieherin hat Spass am Lesen von Todesanzeigen, und lässt sich lieber auf Beerdigungen als auf Hochzeiten und Dinnerparties sehen. Die sich allmählich einschleichenden Gebrechen, wie zum Beispiel Osteoporose, trägt sie mit Würde und Gelassenheit. Sie hat in ihrem Leben schon viel durchgemacht, und will sich das Finale nicht verderben lassen.

Forever Young? – Nein danke!

Auch wenn sie sich in einem einem hippen londoner Freundeskreis bewegt, sieht Marie keinen Sinn darin, mit 60 auf dem Fahrrad durch die Mongolei zu fahren. Gerade das macht sie glaubwürdig – und liebenswerter als verkrampftere Zeitgenossen in ihrem Alter.

Nein! ich will keinen Seniorenteller! bietet vergnüglichen Schmökerspass, nicht nur für Leser im fortgeschrittenen Semester. Die Geschichte um Marie birgt durchaus autobiographische Züge der Autorin Virginia Ironside, die seit den 1960er Jahren als Journalistin arbeitet und so manche nette Anekdote zu erzählen weiss. Eine Affäre mit einem Mitglied der Beatles? So what. Been there, done that.

Marie kann so schnell nichts mehr schocken, und mit dieser resoluten Einstellung vermittelt sie uns eine witzige, aber auch Mut machende Perspektive auf das Grande Finale im Drama des Lebens.

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