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Robert Bober: Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen

Der Schriftsteller und Filmemacher Robert Bober hat einen neuen „Roman“ veröffentlicht, den er auf den mysteriösen Titel „Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen“ taufte.

Robert Bobers Karriere begann als Assistent des Meisterregisseurs Francois Truffaut und er hat nun mit „Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen“, seinen dritten Roman veröffentlicht. In seinem neuen Buch nimmt Robert Bober den Leser mit auf eine Zeitreise, die uns zunächst ins Paris der 60er Jahre führt. In seinen anderen Büchern findet man den Autor zwar auch in den von ihm beschriebenen Figuren wieder, doch noch nie ließ Robert Bober einen so nah an sich heran. Er stellt Francois Truffaut sich selbst als Charakter (als Assistent) an die Seite, beschreibt das Buch aber aus einer anderen Perspektive, der Perspektive des jungen Bernard Appelbaum.

Robert Bober – Wer einmal die Augen öffnet,…

Robert Bobers, der mittlerweile schon 80 Jahre alt ist, wurde  erfolgreich und bekannt als Dokumentarfilmer. Anfang der 90er Jahre veröffentlichte er sein Romandebut „Was gibt es neues vom Krieg“, in dem er die Nachkriegswelt in einem kleinen Pariser Schneideratelier beschrieb. Im Jahr 2000 folgte der zweite Roman „Berg und Beck“. Nun ist sein drittes Werk erschienen, bei dem man auch wieder merkt, dass ihn die Vergangenheit nicht loslässt.
In „Wer einmal die Augen öffnet,…“ lernt man den 20 jährigen Bernard Appelbaum kennen, der 1962 als Statist in dem, wie wir jetzt wissen, sehr berühmten Truffaut-Film, „Jules et Jim“, mitspielen darf.

„Jules et Jim“ – als Auslöser

Der Protagonist schaut sich, da er ja als Statist beteiligt war, den Film mit seiner Mutter im Kino an, der der Film mit der Dreiecksgeschichte so nah geht, dass sie ihrem Sohn von ihrem Leben und ihrer Dreiecksbeziehung erzählt. So erfährt er, dass sein Vater als Jude in Auschwitz ermordet wurde und, dass sein Stiefvater, der Vater seines Bruders, bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. Als sie nach dem Kino wieder zu Hause sind, lässt die Mutter einen alten Schuhkarton für Bernard stehen, der das Fenster zur Vergangenheit öffnet.

Leise, sensibel und melancholisch – Bobers Schreibstil

Bober spannt hier den erzählerischen Bogen, der die Geschichte zur Familiengeschichte werden lässt. Gleichzeitig macht das Buch seine Liebe zu Paris sehr deutlich. Vor allem Belleville, ein Viertel im 19ème Arrondissement, steht im Mittelpunkt. Belleville ist ein Viertel, in dem sich noch vor dem Krieg viele Juden, ansonsten Handwerker, eben die „kleinen“ Leute angesiedelt haben, so auch Bobers Familie.

„Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen“ ist in einer sehr einfachen Sprache geschrieben, der es kein bisschen an Sensibilität mangelt. Es ist zwar leise und melancholisch, doch von Zeit zu Zeit finden sich tragikomische Momente, bei denen der Leser auch mal schmunzeln muss. So z.B. wenn die Großmutter einen Frosch im Salat findet, diesen wegschmeißen will und der kleine Bruder von Bernard, Alex, meint, seine Oma wäre „antisemitisch zu Fröschen“.

Gerade an kalten, grauen Tage kann so ein Buch genau das sein, was man braucht.

Bober, Robert (2011): Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen. Verlag Antje Kunstmann, München.

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