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Sarah Kuttner: Wachstumsschmerz

„Wachstumsschmerz“ ist der neue Roman von Sarah Kuttner. Sie setzt sich humorvoll und nachdenklich mit der Sehnsucht nach, und der Angst vor, dem Erwachsenwerden auseinander.

Luise und Flo sind seit dreieinhalb Jahren zusammen und da sie noch nicht reif für Kinder sind, sie aber den nächsten Schritt gehen wollen, beschließen sie,  dass der nächste Schritt für sie Zusammenziehen ist. Einfacher gesagt als getan.

Seit einem halben Jahr suchen die beiden schon, doch es scheint nicht so einfach zu sein, eine passende Wohnung zu finden. Für beide wäre es das erste Mal, dass sie mit einem Partner zusammenziehen, daher ist dieser Schritt für sie noch größer.

In „Wachstumsschmerz“ beschäftigt sich Sarah Kuttner mit der Angst und zugleich der Sehnsucht, die einen überkommt wenn man Anfang dreißig ist – Erwachsen werden.

Sarah Kuttner – „Wachstumsschmerz“

Die Liebe ist bei Flo und Luise gekommen um zu bleiben. Nachdem sie schon drei Jahre zusammen sind, denken sich beide und bekommen es auch von ihrem Freundeskreis, bei denen „…einige […] schon das zweite Kind“ planen, vorgelebt, dass es an der Zeit ist, den nächsten Schritt zu gehen, zusammenzuziehen. Luise ist Herrenschneiderin, geht ab und zu auch zu Castings obwohl sie eigentlich keine Karriere beim Film anstrebt, während Flo Manager einer Kletterhalle ist. Flo und Luise schaffen es letztendlich doch zusammenzuziehen, in eine Wohnung die nicht nach „…Muff und schlechtem Atem und Dinkel“ stinkt. Natürlich kann nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen herrschen und das Paar beginnt sich, wie andere Paare auch, zu streiten. Es wird rumgezickt, geweint, sich vertragen und Konflikten aus dem Weg gegangen (Flo) bis es so kommt, wie es kommen muss. Der Liebe wird der Atem genommen. Beide, aber vor allem Luise, brauchen mehr Platz zu atmen. Luise und Flo trennen sich.

„Quarterlife Crisis“ – Ständiger Druck von außen?

Sarah Kuttner setzt sich in ihrem Buch mit dem Phänomen der „Quarterlife Crisis“ auseinander. Dieses bezieht sich auf junge Menschen zwischen 20 und 30, die in einer gewissen Unsicherheit leben oder einfach unsicher sind. Diese Unsicherheit bezieht sich auf die eigene Wahrnehmung und die von außen. Handelt man seinem Alter entsprechend? Kann man mehr aus seinem Leben machen? Ist man erwachsen genug? Könnte man mehr aus sich machen? Ist man zufrieden oder könnte man zufriedener sein? Kuttner sieht dies als eine Form von Generationsproblemen, den sich heute 20-30 jährige stellen müssen. In einer Mischung aus autobiographischen Erlebnissen und anhand der zwei Charaktere Luise und Flo, führt  Sarah Kuttner humorvoll und sensibel in die Wirren der 20-30 jährigen ein.

Der Nachfolger von „Mängelexemplar“

In „Wachstumsschmerz“ schreibt Sarah Kuttner ähnlichen wie bei ihrem Debüt „Mängelexemplar“, so wie sie auch spricht. Das macht das Buch zu einer leichten Lektüre. Als roter Faden zieht sich durch die Frage „Ist das alles richtig so?“. Neben der Beziehungsgeschichte steht die Frage des Erwachsenwerdens im Mittelpunkt. Hier hätte man sich gewünscht, dass Sarah Kuttner ein bisschen mehr reflektiert. Warum muss man überhaupt etwas tun, nur weil es einem Freunde, Familie oder die Medien so vorleben, obwohl man sich nicht reif fühlt?
Wachstumsschmerz ist speziell an die Zielgruppe der Mitt-20er und 30er gerichtet. Es ist für die, die das  Gefühl haben nicht und nie zu genügen. Für jene die im ewigen  Limbo festsitzen, sei es in der Beziehungs- oder Arbeitswelt. Es ist für die von Zukunftsangst geplagten, für  die, die in einer Identitätskrise und Sinnkrise stecken. Für diese Leute ist dieses humorvolle und nachdenkliche Buch, das zwar keine Antworten gibt, dafür aber gut unterhält.

Kuttner, Sarah (2011): Wachstumsschmerz. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main.

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