Ich bin kein Rassist, aber: Neue Tumblr Seite gibt Anstoß zum Nachdenken

Vorurteile gegenüber Ausländer und Minderheiten verschwinden nicht einfach, vielmehr scheinen sie in den letzten Jahren einfach subtiler geworden zu sein. Mit der Verteufelung von „politisch korrektem“ Verhalten gibt es leider auch eine gute Plattform für fragwürdige Kommentare.

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Failbook kennt wohl jeder, die Webseite, auf der Kommentare der verschiedensten Social Networking Seiten gepostet werden, die peinlich und/oder komisch sind. Für die tumblr Seite „Ich bin kein Rassist, aber“ haben sich ein paar kluge Köpfe eine englischsprachige Seite namens „I’m not racist“ zum Vorbild genommen und sich einmal genau angeguckt, in welchem Zusammenhang genau dieser Spruch eigentlich aufgesagt wird.

Ich bin kein Rassist, aber…

…endet nämlich meistens genau darin – einem rassistischen Kommentar, der durch diesen Vorsatz abgedämpft werden soll. Hier wird eindeutig die Semantik durcheinander gewürfelt, wie sagte schon Montoya bei der „Princess Bride“: You keep using that word, I do not think it means what you think it means (Du verwendest dieses Wort, ich glaube nicht, dass es bedeutet, was du denkst, dass es bedeutet).

Zum einen: Ja, wenn du über eine Gruppe an Menschen einer bestimmten Herkunft ein Vorurteil pflegst und das ausnahmslos auf alle Individuen dieser Gruppe anwendest ohne sie alle zu kennen, dann bist du wahrscheinlich ein Rassist.

Zum anderen: Ein Ausländer kann Türke sein, aber nicht jeder Türke ist ein Ausländer. So etwas nennt man einen logischen Fehlschluss, denn natürlich können Türken eine deutsche Staatsbürgerschaft haben, ebenso wie Inder, Afrikaner und Schweden. Allerdings sind sie dann – es sei denn, sie haben eine doppelte Staatsbürgerschaft – Deutsche mit oder ohne Migrationshintergrund. Und nur nach dem Aussehen einer Person zu gehen, um sie zu gruppieren und mit ausgedachten Vorurteilen zu bedenken ist sowieso äußerst unhöflich und nicht sehr zu empfehlen.

Interessant ist hierbei, dass auch NPD Wähler sich mit diesem Satz heraus reden, ja mehr noch, sich des „Nazi“-Begriffes verwehren.

Seit politisch korrektes Verhalten und das Pochen auf Meinungsfreiheit sich scheinbar gegenüber stehen (sie tun es nicht, aber es wird oftmals als Strohmannargument behauptet), sehen viele eine perfekte Gelegenheit, feindselige, unbegründete Vorurteile gegen Minderheiten heraus zu posaunen und bei jedem Gegenargument zu behaupten, dass es ja links-liberale Hetzjagden gegen Grundwahrheiten seien, die es verbieten, rassistische Sprüche zu reißen.

Das trifft nicht nur auf Vorurteile gegenüber Ausländern zu. Auch Schwulenwitze, frauenfeindliche Kommentare und andere meist auf Fehlinformationen begründete Beleidigungen reden sich gerne mit „Ich bin ja nicht…., aber…“ heraus, so als würde man damit alles wieder gut machen.

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Nachdenken ist besser als Vorbeugen

Im Englischen gibt es eine Phrase, die „No offense“ (bitte nicht übel nehmen) lautet und meistens einer üblen Beleidigung voraus eilt, die der betreffenden Person direkt ins Gesicht gesagt wird. Hier wird nicht nur kommunikativ manipuliert indem man sich quasi vor seiner Ausartung bereits von der Schuld rein wäscht, sondern man lügt sich meistens auch selbst etwas vor.

Und das passiert meistens öfter als einem lieb ist, denn Vorurteile hat jeder von uns, da kommt man nicht umhin, wenn man sozial funktionieren möchte (dafür ist ein Blick in die kognitive Psychologie ganz hilfreich), aber solange man sich dem bewusst ist und seine Meinungen über Menschen nicht in Stein meißelt und absolut verallgemeinert, geht es bei weitem nicht so sehr in die Extreme, wie auf der Tumblr-Seite zu finden.

Freie Meinungsäußerung ist eine wunderbare Sache und wenn jemand gegen Ausländer ist, dann ist das vielleicht nicht so schön, wie es in einer friedfertigen Gemeinschaft sein könnte, aber niemand sollte es verbieten können.
Dass diese Meinungsäußerung auf Facebook und Co – detailliert von „ich bin kein rassist, aber“ gesammelt – oftmals grammatisch etwas aus den Furchen gerät, während sich über die Sprachbarrieren aufgeregt wird, ist dabei ebenso ein gutes Recht der Autoren, wie das Feiern des 11. Septembers, so geschmacklos es manchen erscheint.

Aber trotz alledem: „Ich bin nicht…, aber…“ funktioniert leider ebenso wenig wie der katholische Ablass, weshalb man lieber – sobald man diesen Satz auf der Zunge oder in den Fingerspitzen spürt – noch einmal darüber nachdenken sollte, was man eigentlich sagen will und ob es nicht doch ein klitzekleines bisschen rassistisch ist.

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