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Studie: Egozentriker werden eher einsam – und Einsame egozentrisch

Studie: Egozentriker werden eher einsam – und Einsame egozentrisch

Die meisten Menschen sind nicht gern allein. Zumindest nicht auf Dauer. Es liegt wohl in unserer Natur, dass wir uns früher oder später unwohl fühlen und davon krank werden können. Rund ein Drittel der Bevölkerung fühlt sich einsam. Woran liegt das und was hat das mit Egozentrik zu tun?

Wechselwirkung zwischen Einsamkeit und Selbstbezogenheit

Wer einsam ist, neigt dazu, irgendwann an damit anzufangen, nur noch um sich selbst zu kreisen. Diese Selbstbezogenheit verstärkt wiederum die Einsamkeit. Ein Teufelskreis, wie eine aktuelle US-Studie des Psychologen John Cacioppo von der Universität Chicago zeigt, die im Fachmagazin „Personality and Social Psychology Bulletin“ veröffentlicht wurde. Das Zünglein an der der Waage sei der Faktor Zeit. Einsamkeit sei kurzfristig kein Problem, auf Dauer allerdings schädlich für die körperliche und seelische Gesundheit, so die Wissenschaftler. Wer länger als ein Jahr allein lebt, entwickelt tendenziell mehr Selbstbezogenheit. Und diese Egozentrik kann in einer Wechselwirkung das Gefühl von Einsamkeit verstärken.

Für die Studie nutzten die Forscher Daten einer Gesundheitsuntersuchung, für die zwölf Jahre lang jährlich etwa 230 US-Amerikaner im Alter zwischen 50 und 68 Jahren befragt wurden.

Egozentrik, Egoismus, Egomanie: Die Unterschiede

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die drei Begriffe häufig synonym verwendet und mit „Ego“, lateinisch für „ich“ oder „Mittelpunkt“, abgekürzt. Doch Egozentrik, Egoismus und Egomanie sind nicht das gleiche, obwohl Sie alle mit Abstufungen für eine Störung der Selbstwahrnehmung stehen.

Ein Egozentriker sieht sich per Definition im Mittelpunkt und hat in der Regel eine übertriebene Selbstbezogenheit. Egozentriker können sich nur schwer in die Rollen andere hineinversetzen. Sie sind meist unachtsam und wirken mitunter autistisch. Egozentriker fühlen sich teilweise von der Außenwelt verstoßen – und verschließen dazu noch die Arme. Sie ziehen sich zurück, sind passiv. Zwar reagieren sie auf andere, aber sie handeln nicht. Dabei können sie durchaus gutmütig sein.

Egozentrik sollte nicht mit Egoismus verwechselt werden. Ein Egoist denkt häufig sehr eigennützig und handelt mit Vorliebe, um sich zu bevorteilen. Egoismus steht in der Regel als Gegenteil des Altruismus abwertend für rücksichtsloses Verhalten. Egoismus und Egomanie sind aber keinesfalls identisch. Ein gesunder Egoismus ist anders als Egomanie vollkommen natürlich.

Betroffene heißen Egomanen und haben eine krankhafte Selbstbezogenheit. Sie wollen stets im Mittelpunkt stehen und halten sich für unfehlbar. Ihr Handeln ist überaus ichbezogen. Egomanen zweifeln nicht, denn sie haben immer recht! Die Welt dreht sich um sie. Nur ihre Perspektive zählt. Das es mehrere Ansichten und Meinungen gibt? Fehlanzeige.

Bildquelle: Thinkstock, 469514219, iStock, MariaDubova

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