„Bordeaux“ von Paul Torday – Hochmut kommt vor dem Fall

„Bordeaux“ heißt der zweite Roman des englischen Schriftstellers Paul Torday und Bordeaux ist auch die Leidenschaft und das Verhängnis des Protagonisten Frankie Wilberforce.

Wilberforce ist Mitte 30, hat einst sein Studium geschmissen um sich eine Softwarefirma aufzubauen, die schnell erfolgreich wird. Schließlich kann er sogar 50 Mitarbeiter beschäftigen. Doch sein Leben ist leer. Er ist ein Workaholic, arbeitet an die 14 Stunden pro Tag, ernährt sich fast nur von Fast Food und ist unglücklicher Single.

Durch einen Zufall lernt er den etwas exzentrischen, alten Millionär Francis Black kennen. Dieser führt Wilberforce nun immer mehr in die britische Upper Class ein. Black wird für ihn zu einer Art Vaterfigur. Frankie schmeißt seine Firma hin und geht mit seinen neuen Freunden lieber auf Dinner-Parties und Moorhuhnjagd.

Er verliebt sich in die Verlobte eines seiner Freunde, spannt sie ihm aus und heiratet sie schließlich. Doch Francis Black liegt im Sterben und bestimmt Wilberforce als seinen Erben. Dieser wohnt ab jetzt zusammen mit seiner Frau als Frühpensionär in einem Schloss mit einem riesigen Weinkeller voller Spitzenjahrgänge.

Innerhalb von drei Jahren ist Wilberforce am Ende. Er war auf dieses Leben nicht vorbereitet. Als echter Weinliebhaber sieht er seine Probleme auch dann noch nicht als er fünf Flaschen Wein pro Tag konsumiert, natürlich nur die besten. Daraufhin verliert er alles…

In vier Jahren erzählt Autor Paul Torday rückwärts in der Ich-Perspektive den Verfall von Wilberforce. Und obwohl man ja von anfang an weiß, was passiert, will man die Ereignisse dann doch genau wissen und kann das Buch teilweise gar nicht mehr aus der Hand legen.

Wilberforce wird immer bornierter. Er gibt sich als hochnäsiger Neureicher, der den Hals einfach nicht voll bekommen kann. Sein Lieblingsgetränk Bordeaux ist für ihn das Höchste. Und auch als er ihn am Ende richtig säuft, hält er sich immer noch für einen Genießer, der findet, Wein als Alkohol zu bezeichnen sei grob und unsensibel.

Und bei aller Tragik, die „Bordeaux“ mit sich bringt, wirkt das Buch nie schwer. Mit einer gehörigen Prise britischen Understatements kann man Wilberforce beim Verfall zusehen. Bei allem ist es auch ein Seitenhieb an die neureiche Upper Class, denen es nur um Schein als um Sein geht.

Ein kluges und gut geschriebenes Buch, das einem Freude macht, aber auch zum Nachdenken anregt.

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