Home Naturwissenschaften Biologie Briefträger und Hunde: Wer hat hier Angst vor wem?

Briefträger und Hunde: Wer hat hier Angst vor wem?

„Vorsicht, bissig!“ – Jeder Briefträger kriegt schon das große Gruseln, wenn er von Weitem solch ein Warnschild am Gartenzaun entdeckt. Sind Hunde wirklich die natürlichen Feinde der Postboten? Oder ist alles doch nur ein Klischee?

Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Aber der größte Feind des Briefträgers. So scheint es jedenfalls. Ein Großteil der Hundebesitzer hierzulande weiß von wenigstens einer unschönen Begegnung zwischen diesen beiden Parteien zu berichten. In unzähligen Foren wird heftig darüber diskutiert, wer die Schuld an solchen Konfrontationen trägt. Und darüber, ob die Mitarbeiter von Brief- und Paketdiensten die ganze Sache nicht vielleicht unnötig hochspielen.

Postbote gegen Hund: Ein ewiger Kampf?

Da sich die unzähligen Berichte über Zusammenstöße zwischen Briefträgern und Hunden nicht einfach ignorieren lassen, muss man wohl anmerken, dass es sich hierbei um ein tatsächliches Problem statt nur um ein Klischee handelt. Fragt sich nur, wo die Ursachen hierfür zu suchen sind. Manche glauben, es liege schlichtweg am Revierhalten des Hundes, der sich durch das Eindringen eines Fremden – in dem Fall des Briefträgers – in sein Territorium bedroht fühlt und sich sofort daran macht, den Störenfried zu verjagen.

Eine andere Theorie besagt, dass Hunde menschliches Verhalten oftmals einfach falsch interpretieren. Ein Hund versteht das Konzept von Besitz; ähnlich wie bei der Verteidigung seines Territoriums will er den Besitz seines Herrchens schützen. Dazu gehört auch, Jeden wütend anzubellen und zu verjagen, der dreisterweise seinen Müll durch den Briefschlitz ins Haus befördert oder damit Herrchens Briefkasten voll stopft. Dass es sich hierbei um (zumindest in den meisten Fällen) erwünschte Post handelt, ist dem Hund erst einmal nicht begreiflich.

Schließlich ist das ganze „Der Briefträger ist mein Feind“-Gehabe eines Vierbeiners auch reine Gewöhnungssache. Wenn er in jungen Jahren erstmals mit einem Postboten konfrontiert wird und hier aus reiner Überraschung ein Bellen von sich gibt, wird er vielleicht den darauf folgenden Rückzug des Postboten als Reaktion auf sein eigenes Verhalten werten. „Ein Fremder kam, ich habe gebellt und er ist wieder gegangen“ denkt er sich dann womöglich. Ergo wird er in Zukunft dieses Verhalten wiederholen und sich dadurch bestätigt fühlen, dass der Briefträger jedes Mal das Grundstück nach nur kurzer Zeit wieder verlässt. Dass er mit diesem Verhalten des Menschen gar nichts zu tun hat, weiß er erst, wenn man es ihm beigebracht hat.

Verhaltenstraining für Mensch und Tier

So viele Ursachen es für das ständige Aneinandergeraten von Briefträgern und Hunden auch geben mag, scheint es sich bei der Angelegenheit doch um einen zurückgehenden Trend zu handeln. Jedenfalls kann man solch eine Schlussfolgerung aus diversen Statistiken ziehen. Der Grund hierfür mag unter anderem der sein, dass Postboten mittlerweile mit Merkblättern dafür sensibilisiert werden, zu erkennen, ob ein Tier zu aggressivem Verhalten neigt oder nicht. Azubis gehen immer öfter in Praxisseminare, in denen sie lernen, eine möglicherweise brenzlige Situation schnell zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten. Und vorbeugende Maßnahmen wie das Mitbringen von Leckerlis werden auch gern empfohlen. In einigen Gemeinden gibt die Post selbst sogar immer mal wieder Päckchen mit Hundekuchen an ihre Postboten aus, damit diese für den Umgang mit einem tierischen Gegenüber gewappnet sind.

Briefträger werden also schon umerzogen, und auch immer mehr Hundehalter arbeiten aktiv daran, ihren Tieren einen angemessenen Umgang mit den gelb-gewandten Päckchenbringern beizubringen. Schenkt man dem Gehabe eines Hundes keine Achtung und beschäftigt sich stattdessen nur mit dem Postboten, wird der Hund über kurz oder lang lernen, dass keine Bedrohung von diesem Fremden ausgeht. Verschnaufpausen in seinem wütenden Gebell können dann mit Leckerlis gefüllt werden, sodass der Hund schnell seine eigene Ruhe mit einer Belohnung verbindet. Man muss nur aufpassen, dass übermäßiges Belohnen nicht zur Sucht führt. Oder sich stattdessen wiederum der Briefträger vernachlässigt fühlt.

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