Home Geisteswissenschaften Literatur Warum gähnen wir? Wenn unser eigener Körper Rätsel aufgibt

Warum gähnen wir? Wenn unser eigener Körper Rätsel aufgibt

Gähnen – jeder tut es, niemand hat wirklich einen Grund dazu, während die meisten Körperfunktionen eine ersichtliche oder auch weniger ersichtliche Ursache haben, gibt das Gähnen den Forschern Rätsel auf.

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Wie schon in einem vorigen Beitrag erwähnt, ist Gähnen ungemein ansteckend, könnte das etwa ein Indiz dafür sein, warum wir überhaupt gähnen?

Denn gehen wir von den allgemein bekannten Theorien aus, also Müdigkeit oder Sauerstoffmangel, dann müssen uns die Wissenschaftler enttäuschen, denn auch wenn man diese Erklärungen selbst in einigen Schulbüchern zu lesen bekommt, mittlerweile wurden sie längst umgeworfen.

Beim Gähnen nimmt man Luft auf, streckt das Trommelfell und atmet dann aus. Streckt man sich und gähnt gleichzeitig, wird das Pandiculation genannt, nur für den Fall, dass jemand ein Wort des Tages braucht.

Das Wort „Gähnen“ kommt übrigens aus dem Vorgermanischen „gin-“, das sehr grob mit „den Mund weit öffnen“ übersetzt werden kann, aus dem auch das englische „Yawn“ herrührt.

Gähnen und Sauerstoffmangel

Gerne wird erzählt, dass es nicht an Müdigkeit liegt, sondern, dass der Körper an Sauerstoffmangel leidet. in Verbindung mit dem Mythos, dass man immer gähnt, wenn man gelangweilt ist, wurde daraus auch die abenteuerliche Theorie, dass man gelangweilt flacher atmet und daher auch weniger Sauerstoff zu sich nimmt.

Das wurde in den späten 80ern jedoch untersucht, in dem man verschiedene Gruppen in Räume mit mehr oder weniger hohem Sauerstoffgehalt steckte und dann zählte, wie lange und oft sie gähnen mussten. Es fanden sich keine merklichen Unterschiede im Sauerstoff-reichen Raum und dem Sauerstoff-armen Raum.

Langeweile steckt an?

Dass man aus Langeweile gähnt, das wurde hingegen erfolgreich bewiesen, als ein paar Schüler einmal eine Reihe an bunten Farbplaketten zu sehen bekamen und eine Vergleichsgruppe ein MTV Musikvideo. Im Falle des Musikvideos gähnten die Probanden ca. 1/3 weniger, außerdem gähnten die Jungen länger als die Mädchen.

2007 gab es einen Test an der University of Albany, in dem man heraus fand, dass man in warmen Räumen häufiger gähnt, bzw. dass Menschem mit kühlem Kopf weniger gähnen, weshalb die Vermutung aufgestellt wurde, dass man eventuell gähnt, um das Gehirn abzukühlen. Anderweitig wurde vorgeschlagen, dass es sich um eine Art „Strecken“ handelt, da man beim Gähnen die Gesichtsmuskeln „ausstreckt“ und meistens auch der gesamte Körper mitgestreckt wird.

Andere Forscher gehen davon aus, dass man damit sogar Endorhpine oder Dopamine frei setzt, da Patienten, die Inhibitoren zu sich nahmen, dabei beobachtet wurden, wie sie häufiger als gewöhnlich gähnten.

Psychologie des Gähnens

Eine eher psychologisch-soziale Erklärung ist die, dass wir das Gähnen noch von unseren Vorfahren haben, die so miteinander Schlafenszeiten kommunizierten, auch wenn man das natürlich heute schlecht beweisen kann, zumal es eine andere Meinung gibt, bei der das Gähnen das genaue Gegenteil erreichen soll und zwar die Aufmerksamkeit der Herde, nur für den Fall, dass sie schnell agieren muss.

Dass der Grund von sozialer Natur ist, ist hingegen sehr wahrscheinlich, denn Gähnen steckt an, nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Tier und umgekehrt (was besonders bei Hunden ausgetestet werden kann).

Um auf die Langeweile zurück zu kommen: einige Biologen gehen auch davon aus, dass es ein aggressives Zeichen ist, das Überlegenheit beweisen soll. Bei vielen Tieren wurde Gähnen beobachtet, wenn sie einem Gegner gegenüberstanden, was so gedeutet wurde, dass es offenes Desinteresse zeigte, um den Gegner einzuschüchtern, bzw. Zähne zu zeigen.

Für den Alltag ist das Gähnen, bzw. das ansteckende Gähnen übrigens auch sehr nützlich, denn Studien von Ivan Norscia und Elisabetta Palagi haben ergeben, dass man nach dem Grad empathischer Verbundenheit öfter „mitgähnt“. Dabei würde man bei Verwandten und Freunden am häufigsten mitgähnen, bei Fremden immer seltener.

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