Anna Gavalda: „Zusammen ist man weniger allein“

Es geht um die Liebe, die ganz große, die ganz oft so winzigklein ist, dass wir sie fast übersehen könnten. Wie gut, dass es für solche Fälle Anna Gavalda gibt, die uns zwischen den Zeilen flüstert, worauf es wirklich ankommt im Leben.

Anna Gavalda ist ein Mensch der leisen Zwischentöne. Deshalb liest sich die Geschichte von „Zusammen ist man weniger allein“ auch wie eine sanfte Symphonie, die trotz leiser Musik kraftvoll und poetisch ist. Sie schlägt jeden Zuhörer in ihren Bann, verzaubert die Liebe und beraubt uns die Illusionen darüber. Wir sind atemlos, ergriffen und am Ende einfach sehr glücklich, verstanden zu haben, dass es im Leben um mehr geht, als um die große Karrieresause.

In dem Buch geht es um eine WG in einer turbulenten, lauten und gleichgültigen Großstadt. Philibert entstammt dem Adel, ist sehr schüchtern und steht sich selbst gern im Weg. Sein chaotischer Mitbewohner Franck ist das totale Gegenteil: Wenn er nicht in seinem stressigen Beruf als Koch tätig ist, so hört er laute Musik, hängt in dicken Rauchschwaden herum oder aber lädt sich auf dem Wohnzimmertisch räkelnde Frauen ein. Was niemand ahnt: an seinen freien Tagen fährt Franck zu seiner Großmutter, um ihr zu helfen, wo er nur kann.

Und im Mittelpunkt dieses Gewusels steht Camille. Mit ihren dürren Ärmchen klammert sie sich an jeden Strohhalm, um im Wind des Lebens nicht davon zu fliegen. Camille ist ein Mädchen mit großen Augen und hohlen Wangenknochen und als Franck sie zum ersten Mal sieht, knurrt er: „Was will denn der Knabe da am Tisch?“ Drei vollkommen ungleiche Menschen, die sich eine Wohnung teilen, sich streiten, versöhnen und lachen. Camille putzt, um Geld zu verdienen, und wenn sie kann, dann zeichnet sie die verworrenen Momente, die sie miteinander teilen, auf große Papierseiten. Als schließlich noch Francks Großmutter zu dem Trio stößt, scheint das Chaos perfekt…

Natürlich wird sich auch kräftig verliebt und am Ende steht die Frage, ob es besser ist, allein zu bleiben, um sich verschließen zu dürfen wie eine Muschel am Meeresgrund oder ob es sich lohnen könnte, die Perle zu bergen. Die Geschichte an sich klingt jetzt erstmal etwas lahm, langatmig und überhaupt nicht spannend. Wo bleibt Spannung, Action, wo die Höhepunkte? Aber seid versichert: Das Buch besticht durch Charme, intellektuellen Witz und liebevoller Ausführung der Charaktäre. Das Buch ist ein warmer Trost für Großstadtmenschen, die nicht allein bleiben möchten und eine Weisheit für´s Leben. Eine davon verrate ich euch schon jetzt: Liebe gibt es für jeden von uns auf dieser Welt. Wir müssen nicht einmal nach ihr suchen, wir müssen nur die Arme ausbreiten, um sie im rechten Augenblick umarmen zu können. P.s.: Hier findet ihr ein tolles Interview mit der Autorin, die darin unglaublich sympathisch und lieb rüber kommt. So eine, bei der man sich heimlich, mit der Unterlippe vorschiebend, denkt: So eine, die hätt ich gern zur besten Freundin.

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