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Atlas der fiktiven Orte: Eine Weltkarte der besonderen Art

Der „Atlas der fiktiven Orte“ veranschaulicht versunkene Inseln, unterirdische Welten und utopische Länder, die schon seit jeher das Phantasie-Universum der Menschen bestimmen und uns mit Geschichten, Mythologien und Traditionen in ihren Bann ziehen.


Im „Atlas der fiktiven Orte“ werden Schlaraffenland, Atlantis, Olymp, Mittelerde, Lummerland, Paradies und viele andere Scheinwelten illustrativ dargestellt, sodass daraus ein Bilderbuch der menschlichen Kreativität und der Kulturgeschichte der Literatur entsteht. In einer Mischung aus geografischer Länderkunde und den fiktiven Geschichten haben der Komparatist Werner Nell und der Illustrator Steffen Hendel einen Atlas geschaffen, der die Wechselwirkung zwischen Fiktion und Wirklichkeit veranschaulicht. Akribische Recherche in traditionellen Überlieferungen und technische Detailarbeit halfen ihnen dabei, völlig neuartige Karten zu erstellen, die der menschlichen Einbildungskraft ein Aussehen verleihen.

Fantasie-Länder und Traumwelten

Um die fiktiven Orte Gestalt werden zu lassen, wurden Elemente der realen und der bildgeschichtlichen Welt mit Fantasievorstellungen verbunden und in einen neuen Kontext gesetzt. Als Grundlage für die Abbildung vom Paradies diente beispielsweise eine klassische Radierung der Stadt Jerusalem, in welche mit Überlagerungstechniken und Montagearbeit unter anderem Schafe aus Gemälden Alter Meister eingefügt, sowie Ganges und Nil in neue Umgebungen kopiert wurden. Somit finden sich immer wieder Bezüge zur Wirklichkeit bei gleichzeitiger Fiktionalisierung realer Elemente.

Beim Schlaraffenland geht es schon abstrakter zu, was sicherlich auch daran liegt, dass man sich zunächst überlegen muss, ob es sich dabei überhaupt um einen Ort oder vielmehr um einen Zustand handelt. Die kreative Lösung im Buch bedient sich dem anatomischen Atlas, wobei Magen und Darm einen Fluss und See bilden und damit inhaltlich Bezug zu der traditionellen Überlieferung nehmen.

Die Vorlage für Mildendo, die Hauptstadt der Insel Liliput, bildet das quadratische Raster der Stadt Mannheim, welches das Muster absolutistischer Städte in Europa widerspiegelt.

Mit dem „Atlas der fiktiven Orte“ von Meyers, der auch eine schöne Geschenkidee darstellt, kann man für 29,95 Euro in fremde Welten eintauchen, aus denen man auch mit Navi, GPS oder Google Maps nicht mehr herausfindet.

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