Milan Kundera und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Milan Kundera – allein dieser Name zergeht auf der Zunge wie ein exotisches Bonbon. Und der Autor hält, was er mit seinem Namen verspricht: Andersartigkeit, Vielfalt und neben einer großen Portion Intellektualität auch eine herrliche Prise Zärtlichkeit.

Der Roman, um dem es in diesem Artikel geht, ist ein Klassiker, von dem ihr bestimmt alle schon gehört habt: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Schon vor Jahren fiel es mir in die Hände, doch ich lehnte es naserümpfend ab. Damals verschmähte ich Pseudointellektualität und wollte auch keine schwere Schnulzgeschichte lesen, die mir die Illusionen über die Liebe raubt und die mich fröstelnd in meinen vernichtenden Gedanken alleine wie im Regen stehen lässt.

Doch natürlich lag ich vollkommen falsch. Durch die Hybris meiner Jugend entging mir ein wunderschönes Buch, das nicht umsonst ein literarischer Klassiker ist, den man definitiv gelesen haben muss. Denn vor kurzem geriet es mir durch eine Freundin wieder zufällig in die Hände und dieses Mal verschlang ich es begierig wie jeden Atemzug, den ich tat. Es geht um Liebe, natürlich, eine allumfassende Liebe, die so schön wie tragisch und somit genau wie das Leben selbst ist. Thomas und Teresa sind die schlichten Gemüter, um die es geht und an denen wir im wahren Leben wohl ohne jedes Blickes vorbei spazieren würden, weil sie uns wie Prototypen des stinknormalen Menschen erscheinen, also niemand, die wir selbst gern wären und die wir eigentlich schon längst sind 😉 .

Wie der Titel ist diese Liebe so wunderbar leicht, dass wir manches Mal über den Zeilen schweben werden, doch der Fall auf den harten Boden der Realität ist umso unerträglicher. Thomas liebt Teresa, aber genauso liebt er die Vielfalt und seine Freiheit. Da ist noch Sabina, eine genauso schnörkelige Künstlerin wie ihr Name, die provokante Bilder malt und einen Melonenhut liebt, der sie an ihre Vergangenheit erinnert. Teresa ist eifersüchtig und ringt immer wieder aufs Neue mit sich und ihrer Liebe, ahnt und spürt aber doch die große, innige Liebe von Thomas.

Die Persönlichkeiten dieses Buches sind ungeheuer vielschichtig und tief durchdacht. Sie sind nicht nur authentisch, sondern auch sagenhaft ehrlich, dass es einem so manches Mal beim Lesen die Haut über die Ohren zieht. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins erzählt die Geschichte einer großen Liebe, die eigentlich nur vom Leben erzählen will. Und im Leben ist niemals etwas eindeutig, es gibt immer noch die andere Seite. Oder wie Stephen King einmal in einem seiner Bücher spitzbübisch verriet: „In jeder Ehe gibt es ein dunkles und ein helles Herz.“

Noch dazu schreibt Milan Kundera einfach wunderbar. Sein Schreibstil bettet den Leser sofort in die Geschichte ein, umspannt ihn wie ein Zugtier, das jede einzelne Zeile wie ein Gefährt über einen zu bestellenden Acker zieht. Denn nach diesem Werk haben wir dazu gelernt, eine Menge „Aha“-Momente gehabt und werden uns selbst besser kennen. Das macht wohl auch die unglaubliche Faszination des Buches aus und bereichert jeden Geist, der es liest.

„Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ist als Taschenbuch im Fischerverlag erschienen und für 9, 95 Euro in jedem anständigen Buchladen käuflich zu erwerben. Übrigens gibt es auch eine offizielle Webseite des Autors, die findet ihr unter diesem Link.

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