Kranke Männer: Wehleidig oder missverstanden?

Kranke Männer: Wehleidig oder missverstanden?

Wenn Männer krank sind, bricht eine Welt zusammen. Während Frauen sich noch mit hohem Fieber zur Arbeit zwingen, kriechen Männer beim kleinsten Schnupfen unter die Bettdecke, um sich auszujammern – Sagt das Klischee.

 

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Sind kranke Männer wirklich so viel wehleidiger als Frauen? Und wenn ja, gibt es dafür medizinische Ursachen? Oder genießen sie es einfach nur, endlich einmal nicht das starke Geschlecht verkörpern zu müssen und sich stattdessen nach allen Regeln der Kunst umsorgen lassen zu können? Entspricht das Klischee kranker Männer der Wahrheit oder paaren sich hier Vorurteile mit falsch interpretierten Beobachtungen?

Wenn Männer krank sind…

Das Klischee im Einzelnen: Wenn eine Frau krank ist, wird trotzdem erwartet, dass sie gewissen Pflichten nachkommt, Haushalt und Kinder nicht vollkommen verwahrlosen lässt und für alle Sorgen und Nöte ihrer Familie weiterhin ansprechbar bleibt. Wenn dagegen ihr Partner krank wird, bricht seine Welt vollkommen zusammen. Da wird ein Schnupfen zur schweren Epidemie, die in ans Bett oder die Couch fesselt und ungeahnte Jammertiraden sind das einzige Mittel, seinem Leid Abhilfe zu verschaffen.

Wenn er dann bei seiner Partnerin nicht auf die entsprechende Anerkennung stößt und von ihr nicht liebevoll umsorgt wird, kann aus einer Erkältung schon mal eine mittelschwere Katastrophe werden, bei der das Ego des Mannes an den Rand der Vernichtung getrieben wird. Immerhin muss sie doch verstehen, dass es ihm schlecht geht! Wie könnte eine Frau nur so unsensibel sein?!

Kranke Männer und ihr Bedürfnis nach Fürsorge

Ganz unabhängig davon, wie viel Wahrheit in diesem Klischee steckt, kann man in jedem Fall ein gewisses Maß an Verständnis für das viel gerügte Verhalten kranker Männer aufbringen. Immerhin: wer möchte nicht umsorgt werden, wenn er krank ist?! Das Gefühl vermittelt bekommen, dass Jemand zur Stelle ist, wenn es einem schlecht geht, und sich darum kümmert, das Leid erträglicher zu machen?!

Frauen haben dieses Bedürfnis ebenso wie Männer. Und beachtet man die Tatsache, dass sich viele Männer nicht zuletzt durch immer noch immer propagierte Geschlechterrollen geradezu genötigt sehen, mit aller Macht der Vorstellung vom starken Geschlecht genüge zu tun, sei ihnen diese einzige Zeit im Jahr gegönnt, wenn sie endlich einmal die Fassade fallen lassen und sich einmal in die Rolle des Schwachen ergeben dürfen.

Fakten und Zahlen zu Krankheiten und Schmerzempfinden

Eine interessante Beobachtung machte eine im Oktober veröffentlichte Studie: Demnach würden 41 Prozent aller befragten Männer eine Erkältung nur als vorübergehendes Übel ansehen, das sie nicht unterkriegen und man durch ausreichendes Trinken (das Allheilmittel für 68% der Männer), Hilfe aus der Apotheke (44%) oder alte Hausmittelchen (40%) in den Griff bekommen könnte. Frauen dagegen sehen sich eher in der Pflicht, eine Krankheit schnell zu überwinden, um in der Familie oder auf der Arbeit nicht länger als nötig auszufallen. Der Glaube an die eigenen Heilungskräfte steht hier also einem selbst auferlegten Pflichtbewusstsein gegenüber.

Auch was das Schmerzempfinden der Geschlechter angeht, kam die Forschung bereits zu überraschenden Erkenntnissen. Bekanntermaßen haben Frauen ein stärkeres Schmerzempfinden als Männer und erkennen einen Reiz vor allem früher als Schmerz. Die Ursache könnte in unterschiedlichen anatomischen Strukturen im Hirn sowie in geschlechtsspezifischen Hormonen zu finden sein. Dementsprechend leiden Frauen auch häufiger von Schmerzerkrankungen, vor allem unter jenen der chronischen Art. Männer reagieren also unempfindlicher auf Schmerzreize und können daher den sprichwörtlichen Macho mit Bravour verkörpern.

Eine mögliche Wahrheit hinter dem Klischee

Aber: Eine kanadische Studie meint enthüllt zu haben, dass Männer lediglich den Anfangsschmerz besser wegstecken können, während sie lang anhaltende Reize schlecht vertragen. Während Frauen sich an Schmerzen gewöhnen und sie nach kurzer Zeit bereits als weniger schlimm empfinden, ließe das Schmerzempfinden bei Männern nicht nach. Ein andauerndes Leiden ist bei Männern demnach wortwörtlich genau das: ein andauerndes Leiden. Sollte diese Beobachtung stimmen, könnte das erklären, warum sie sich in verhältnismäßig harmlose Krankheiten mehr hineinsteigern als Frauen, die sich schlichtweg schneller daran gewöhnen.

Außerem: Wenn Frauen tatsächlich früher und damit häufiger Schmerzen verspüren als Männer, sind sie durch schlichte Gewohnheit eher dagegen gefeit als Männer, die seltener diese Erfahrung machen und somit im Falle eines Falles übertrieben empfindlich reagieren, wie Manche meinen?

Außerdem glauben viele Forscher, dieselben Krankheiten würden bei den verschieden Geschlechtern auch unterschiedliche Symptome hervorrufen, während gleichzeitig manche Medikamente bei Frauen anders wirken als bei Männern. Und schließlich nehmen Frauen eher ärztliche Hilfe in Anspruch, während Männer alles mit oben genannten Mitteln selbst auskurieren wollen – Und damit eine Krankheit unnötig in die Länge ziehen? Wer schneller gesund wird, kann natürlich weniger jammern. Liegt hier des Rätsels Lösung?

Wer krank ist, darf ruhig leiden

Endgültig geklärt werden kann und soll dieses Geheimnis an dieser Stelle nicht. Wichtig ist nur eines: Wenn Jemand krank ist, sollte man Demjenigen immer mit Verständnis und Fürsorge entgegenkommen, egal ob Mann oder Frau. Denn krank ist Niemand gern und Jeder wünscht sich Erleichterung für sein Leiden. Doch wenn man sich schon einmal so richtig verwöhnen und bemuttern lassen kann, dann darf und sollte man diese Gelegenheit ruhig nutzen. In diesem Sinne: Gute Besserung!

Bildquelle: ThinkstockPhotos, iStock, 474485621, KatarzynaBialasiewicz

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