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Memes: Definition und Beispiele

Memes: Definition und Beispiele

Dank des Internets sind Memes mittlerweile in aller Munde, doch schon lange davor gab es sie und zwar aus einer eher soziologischen als popkulturellen Sicht. Wo kommen Memes her, was braucht es, um ein Meme zu kreieren und was für Beispiele gibt es?

Das Wort kommt ursprünglich aus dem Griechischen und ist eine Ableitung von mimeme, was grob übersetzt „etwas nachahmen“ bedeutet. Hiermit ist also im Grunde die Kopie einer Sache gemeint und damit hat man fast schon die korrekte Definition des Memes.

Das Meme: Soziokulturelles Phänomen

Der berühmte Religionskritiker Richard Dawkins ist weitreichend für den Begriff „Meme“ verantwortlich, sein 1976 veröffentlichtes Buch „The Selfish Gene“ ging dabei auf das Phänomen einer weit verbreiteten Idee ein, die von einer Person zur nächsten weiter gegeben und somit letzten Endes popularisiert wird.

Musik, Mode und Geschichten: Das Kopieren von originalem Material scheint dem Menschen inne zu liegen und das seit Beginn der Zeit. „Romeo und Julia“ etwa wurde unzählige Male auf unterschiedlichste Arten und Weisen kopiert und selbst Shakespeares Meisterwerk war eine Abwandlung von Arthur Brookes „The Tragical Historye of Romeos and Juliet“.

In Dawkins Ausführungen haben Memes eine ähnliche Evolutionsgeschichte hinter sich wie Gene. So werden auch Memes, bzw. Ideen ausgewertet, qualitativ untersucht und nur dann weiter gegeben, bzw. verwertet, wenn sie für hochwertig gehalten werden. Auch durch das nicht immer exakte Kopieren ähneln abgewandelte Memes mutierten Genen und entsprechenden Evolutionssprüngen, die dadurch gemacht werden können (Shakespeare dürfte dabei ein gutes Beispiel sein, „West Side Story“, das ja immerhin eine Adaption von „Romeo und Julia“ ist, ebenfalls).

Die Popularität eines Memes muss jedoch nicht zwangsläufig Indikator für Intellektualität und Qualität sein, denn ebenso wie bei Genen ist auch die Einfachheit der Kopie abhängig von der Verbreitung. Je einfacher eine Idee zu kopieren ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine größere Menschengruppe sie weitergeben wird.

 

Die dunkle Seite der Memes

Wenn es um Kunst und Kultur geht, ist ein Meme eine eigentlich fruchtbare und bewundernswerte Sache, allerdings gibt es auch Wissenschaftler, etwa Aaron Lynch, die Memes nicht nur mit Genen, sondern auch mit Viren verglichen haben und damit auf die negativen Aspekte einer weit verbreiteten Idee eingehen.

So sind urbane Legenden, Stereotype, selbst Copycats von Verbrechen ernst zu nehmende Beispiele der Gefahr, die von einer simplen Idee ausgehen kann. Lynch geht dabei nicht nur von Medien aus, sondern fängt bereits im Kinderzimmer an, da Eltern ihren Kindern ihre Weltsicht beibringen und damit auch verfälschte Memes weitergeben können.

Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen, das sicher kontrovers, aber anschaulich ist, hilft es, sich die Vorurteile gegenüber Verhütung im katholischen Bereich anzusehen. Durch die Weigerung, Kondome als Verhütungsmittel zuzulassen, riskieren so viele Menschen Geschlechtskrankheiten, in ärmeren und von katholischen Missionaren bevölkerten Regionen kann dies auch zu anhaltend hohen Aids-Raten führen. Hier hat sich ein Meme verbreitet, dass nicht nur fragwürdig, sondern regelrecht gefährlich für Menschen ist und ernste Auswirkungen hat. Kondome werden als Sünde gegen Gott gesehen und vor allem in diesen Ländern gar nicht als die Schutzmittel vor Krankheiten gebraucht, die sie in den westlichen Kulturen darstellen.

Memes im Marketing

Eine gesamte Industrie hat sich um die künstliche Herstellung von Memes versammelt, denn ein gut laufendes Meme kann dafür sorgen, dass Individuen, Filme, Songs und Serien sowie Kunstwerke mehr Popularität erlangen. So sind Sprüche wie „Ich liebe es“ durch ihre Einfachheit im Gehirn vieler eingebrannt und selbst wenn man den Spruch als Gag zu unpassenden Situationen verwendet, schwebt darüber hinaus immer das McDonalds Symbol mit.

Gleichfalls wird man bei dem Klingen einer Schreibmaschine sicher oftmals an die berühmte Jerry Lewis Szene aus dem Film „Who’s minding the store“ denken müssen.

Die Marketing Industrie weiß das und ist daher immer darum bemüht, Markennamen, Werbesprüche, Slogans und Melodien zu entwickeln, die sich gut als Memes verkaufen. Knackig und kurz, leicht und möglichst universell anwendbar sollten sie sein. Man braucht nur einmal an die berühmtesten Slogans zu denken, die wenigsten davon gehen ganz spezifisch auf das Produkt ein, sondern sprechen es sehr viel allgemeiner an, so dass der Slogan an sich auch in anderen Lebenssituationen anwendbar ist und daher auch das Potential hat, „viral“ zu werden, was soviel heißt wie sich innerhalb kürzester Zeit weit zu verbreiten.

 

Internet Memes

Dank der sozialen Netzwerke können sich Memes im Internet natürlich viel schneller verbreiten, als im Offline Modus, denn hier kann in wenigen Sekunden ein Video an sämtliche Freunde verschickt werden, innerhalb von Foren können Slogans und Punchlines von einer ganzen Community in wenigen Minuten so verfeinert werden, dass sie glatt und knackig den Zahn der Zeit treffen und durch die vielfältigen Variationen kann ein normales Meme zu einer eigenen sozialen Gruppierung führen, wie etwa der überraschende My little Pony Hype unter erwachsenen Männern bewiesen hat.

Dadurch ist natürlich auch alles schnelllebiger und verliert viel schneller an Relevanz. Während damals ein Werbespruch wie „Isch habe gar keine Auto“ über Jahre hinweg für Lacher und Kaffeegelüste sorgen konnte, sind heute Memes in ihrerer Halbwertszeit vorwiegend kurzlebig und nur wenige überleben mehr als 12 Monate im Netz.

Außerdem werden immer häufiger Stimmen laut, die kritisieren, dass „forcierte Memes“ eigentlich keine Berechtigung in der Community haben. Hier darf man jedoch einlenken, denn ob nun forciert oder nicht, wenn sich das entsprechende Meme weiterspricht, so ist es egal, wie natürlich das zustande kam, der reinen Defintion nach handelt es sich dennoch um ein Meme, denn wenn es Underground ist, kann man sowieso nicht von einem echten Meme sprechen.

Bildquelle: Pixabay/ fancycrave1

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