Home Allgemeinwissen Schwer verdauliches Thema: Tierversuche

Schwer verdauliches Thema: Tierversuche

Heute werde ich mal ein wenig persönlich, aus gegebenem Anlass.
Von jemandem, der einen Bio-Blog schreibt, erwartet man jetzt vermutlich eine absolute Kontra-Einstellung zum Thema Tierversuche.
Nun, ganz so ist es dann doch nicht…

In bestimmten Bereichen erachte ich sie als sinnvoll und notwendig, so sehr es mir auch mein tierliebendes Herz bricht. 🙁 Wenn man in den Medien die Bilder der bei Tierversuchen misshandelten Tiere sieht, stockt einem der Atem.
In gewissen Punkten muss man dann doch aber mal den gesunden Menschenverstand einschalten.

Wir leben nicht mehr im Mittelalter! Auch die härtesten Ökos greifen bei Schmerzen gerne zur Tablette oder lassen sich bei Bedarf operieren oder den Arm eingipsen. Und all das wäre nun mal ohne Tierversuche nicht möglich. Es gäbe noch Pest und Cholera, eine kleine Erkältung wäre lebensbedrohlich, Verhütung unmöglich. Die Welt würde allerdings wohl kaum, wie so gerne behauptet wird, aus den Nähten platzen vor lauter Menschen, denn die meisten würden wohl kaum das 30. Lebensjahr erleben. Eben wie im Mittelalter…

Ziele von Tierversuchen sind der Erkenntnisgewinn in der Grundlagenforschung und die Entwicklung und Erprobung neuer Therapiemöglichkeiten in der Medizin. Es wird geschätzt, dass weltweit jedes Jahr mindestens 100 Millionen Wirbeltiere – vor allem Zuchtformen der Hausmäuse und der Wanderratten, aber auch Primaten – für Tierversuche verwendet werden. Viele davon sterben während der Experimente oder werden anschließend getötet. Die Forschung mit Tieren wird in Universitäten und Forschungseinrichtungen, Pharmaunternehmen und Dienstleistungsunternehmen durchgeführt. Die meisten Tiere werden eigens für Forschungszwecke gezüchtet, nur sehr wenige werden dafür aus der freien Wildbahn gefangen.

So steht es bei Wikipedia.

Nun, gäbe es keinerlei Tierversuche, hätte ich keine Eltern mehr, denn beide mussten sich Operationen und Behandlungen unterziehen, die ohne jegliche Tierversuche nicht möglich gewesen wären. Und selbstverständlich macht es mich sehr sehr froh, dass ich deswegen meine Eltern noch habe! Genauso, wie es mich erleichtert, wenn ich bei Kopfschmerzen eine Tablette nehmen kann. Für all diese Sachen ist es notwendig, dass es Tierversuche gibt.

Aber absolut unnötig ist es, für die 153. Sorte von Kopfschmerztabletten die 153. Tierversuchsreihe durchzuführen!

Längst weiß man doch, dass Tiere in den seltensten Fällen einen identischen Krankheitsverlauf haben wie Menschen – aber sie haben dasselbe Schmerzempfinden! Da werden Krankheiten künstlich am Tier ausgelöst, die das Tier NIEMALS bekommen würde! Reicht es denn nicht, EINE oder ZWEI Testreihen durchzuführen? Können Wirtschaft und Wissenschaft nicht die Befunde per Netzwerk miteinander teilen?

Nein, ich vergaß, in einer marktwirtschaftlichen Welt ist das nicht möglich. Es schaffen nicht einmal die Universitäten, untereinander die Ergebnisse zu teilen. Jede Veröffentlich ist Geld, wer zuerst malt, streicht die meisten Zuschüsse ein. Was ist da schon ein Tierleben wert?

Wenn es doch wenigstens um neue Erkenntnisse ginge, aber der Großteil der Tierversuche im medizinischen Bereich dreht sich um Dinge, die längst getestet sind, längst bekannt sind. Doch will eben jeder seinen eigenen Test haben, und dann noch einen Bestätigungstest. Und vielleicht noch einen dritten, vierten, damit man sicher sein kann, dass die Ergebnisse ja auch nicht abweichen.

Noch schlimmer aber sind die Tierversuche in anderen Bereichen als denen der Medizin….

Ich verurteile aufs Schärfste Tierversuche in den Bereichen der Kosmetik oder der Textilindustrie! Sollen sich doch die aufgetakelten Tussis selbst die neue Wimperntusche an die Augen schmieren und gucken, was passiert! Oder der Vorstandschef, der kann seine neuen Textilprodukte ja mal gerne selbst testen, anstatt das den rasierten Kaninchen und Hunden zu überlassen.

Auch im Bereich der Schönheitschirurgie hält sich mein Verständnis mehr als in Grenzen (ich spreche wohlgemerkt hier explizit nicht von der Rekonstruktions-Chirurgie!)! Ich finde es abstoßend, dass tausende Tiere sterben müssen, nur damit sich die „schönen“ Reichen ihren Busen polstern, die Falten wegspritzen oder das Gramm Fett am Oberschenkel absaugen lassen können!

Ich gebe offen zu, ja, ich war durchaus stellenweise erheitert, als ich kürzlich las, welche Auswirkungen beispielsweise Botox auf den menschlichen Geist hat. Schade, dass man für diese Erkenntnis Tierversuche benötigt hat, denn dass die Botox-Süchtigen nicht alle Latten am Zaun haben, war mir persönlich schon vorher klar. 😉
Italienische Forscher um Matteo Caleo injizierten Ratten das Nervengift in die Schnurrhaarmuskeln. Bereits nach drei Tagen hatte sich das Toxin im Körper ausgebreitet und war auch in Gehirnzellen nachweisbar. Caleo setzte dazu eine neue Methode ein und suchte den Körper der Tiere nach Fragmenten des SNAP-25-Proteins ab, das bei der Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel eine Rolle spielt und von Botulinumtoxin zerstört wird. Im Gegensatz zu der bisher eingesetzten Nachweismethode mit Jod-125 wurde er damit fündig. Die Studienergebnisse sind brisant, denn allein im vergangenen Jahr wurde weltweit Botox im Wert von 1,2 Milliarden Dollar verkauft.

1,2 MILLIARDEN!!!

Stockt nur mir dabei der Atem? Was hätte man mit diesem Geld weltweit bewirken können?! Aber nein, es wird in die Falten gespritzt, auf dass jede Mimik entfällt und das Gesicht aussieht wie mit dem Bügeleisen bearbeitet, unecht, puppenhaft, UNattraktiv! Für diesen Mist sterben LEBEWESEN! Ob sich die ent-falteten Damen und Herren dessen bewusst sind? Ich glaube kaum.

Mittlerweile ist es ohnehin mehr als umstritten, ob Tierversuche überhaupt einen Nutzen haben. Auf den Internetseiten des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche e.V.“ findet man viele harte Fakten, die zum Nachdenken anregen.

Und wenn die Fakten nicht reichen: Die Bilder sprechen für sich.

Nähere Erläuterungen zu dem, was ihr auf den Fotos hier seht, bekommt ihr in unten stehendem Video.

BITTE nehmt euch die 9 Minuten und schaut euch dieses Video an! Hier kommen Menschen zu Worte, die wissen, wovon sie sprechen und mit Sicherheit werdet ihr einiges dazu lernen.

[youtube mosH0SIC0RE]

Wenn ihr euch aktiv gegen Tierversuche und für den Tierschutz einsetzen möchtet, habt ihr beispielsweise beim Deutschen Tierschutzbund, PETA oder euren örtlichen Tierheimen und Tierschutzverbänden die Möglichkeit dazu.

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3 Kommentare

  1. […] ein Video, das zum Nachdenken anregt. Müssen diese Tierversuche wirklich […]

  2. Tanja

    16. Mai 2012 at 13:20

    Meiner Meinung nach währe die ganze Vorschung auch ohne Tiere möglich
    So ein Armes Tier das sich nicht helfen kann wird für unsere Zwecke Missbrauch
    Tiere fühlen auch und ich bin absolut nicht der Meinung das es gerechtfertigt ist nur weil es kein Mensch ist einem Lebewesen so etwas anzutun
    Einige von den labortieren kennen nicht einmal die Sonne
    Ich finde das auf jedenfall grausamer als sie zu essen was ich jedoch auch nicht mache
    Die optimale Lösung wäre anstelle der Armen Tiere die niemanden etwas zu leide tun einfach kinderschänderer zu nehmen
    Da wäre das ergebniss noch besserer da es ja dann ein „Mensch“ ist an dem man die Tests durchführen kann
    Und ein kinderschänderer ist definitiv weniger Wert als ein Tier
    Er sollte einzig und alleine dazu dienen das er anderen kranken Menschen hilft
    Diese Armen Tiere haben nie jemanden etwas getan und werden soooooooo bestraft
    Traurig finde ich das
    Und manche Tiere sind sicher weit mehr entwickelt als der Mensch
    Nur weil man viel über gewisse Dinge wissen heißt das noch lange nicht das wir auch wirklich intelligent sind
    Denn was da in den Labors abgeht ist keinen falls intelligent sondern grausam und barbarisch
    Und selbst die Urvölker würden nie ein Tier zum Spaß töten
    Wir haben eben die wichtigen Dinge im leben aus den Augen verloren
    Und so ist es heut zu Tage nur noch wichtig das man viel Geld hat und so nimmt das ganze seinen Lauf
    Und die leidtragenden sind die Tiere

  3. Verena

    31. Dezember 2012 at 01:55

    Au weia. Den Kommentar von Tanja hätte ein Satiriker nicht besser schreiben können – FAIL auf allen Ebenen 😀
    Sehr schade, dass sich besonders solche unterbelichteten, weichgespülten Gutmenschen von diesem Thema angesprochen fühlen und derart peinlich mitreden wollen. Dabei wurde dieser nette Artikel halbwegs reflektiert aufgesetzt und es ist NATÜRLICH ein Unding, was wir uns mit der Tierwelt erlauben!!!

    Noch eins: Das Argument „Für diesen Mist sterben LEBEWESEN“ (s.o.) kann ich nicht mehr hören, erscheint aber überall! Bitte nachdenken! Jemand mit elementarer biologischer Grundkenntnis könnte antworten: Na und? Der Apfel, den ich gerade esse und die Bakterien auf meiner Tastatur sind auch Lebewesen 😉

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